Wir stürzen uns ins pulsierende Leben und beginnen unsere Angewöhnung mit einer grossen Stadt, Skodra. Zum Glück muss ich hier nicht Auto fahren. Es ist ein unglaubliches Gewusel von sehr vielen Autos, Motorrädern, Velos und Fussgängern. Man glaubt, alle Verkehrsregeln seien nur als Empfehlung zu verstehen. Aber es funktioniert, der Verkehr fliesst, niemand hupt, niemand regt sich auf und mittendrin ein Eselskarren oder ein Velo, das uns auf unserer Spur entgegen kommt. Hannes fähr den Landy perfekt durch die Strassen und findet auch einen Parkplatz. Was ein Glück, sind wir nur so gross wie ein normales Auto. Obwohl ich nie am Steuer war, bin ich recht erschöpft und wir trinken zuerst einen Kaffee und lassen das Leben an uns vorüber ziehen. Es ist uns noch alles sehr fremd, aber wir sind fasziniert und neugierig. Moscheen neben Kirchen, alte Gebäude neben neuen und top modisch gekleidete Menschen neben bettelnden Romas. Eine Gasse neben der Hauptstrasse sitzen Frauen auf dem Trottoir und verkaufen frisch Milch in Cola-Pet-Flaschen. Ich hätte ihnen so gerne etwas abgekauft, getraue mich aber aus hygienischen Gründen nicht.
In alle diesen Eindrücken fühlt sich das Fotomuseum Marubi wie eine Oase an. Es ist ruhig und sauber, zeigt die eindrückliche Geschichte der Fotographie, seit Herr Marubi vor 150 Jahren ein Fotostudio in Skodra eröffnete.
Als wir zum Zmittag in einem kleinen Restaurant auf der Terrasse sitzen, staunen wir nochmals gewaltig. Ein alter Mann kommt bettelnd herein und sofort klauben alle Geschäftsfrauen um uns herum Münzen hervor. Von jetzt an haben auch wir immer welche griffbereit.
Auf der Weiterfahrt kommen wir bald an einem skurrilen Restaurantkomplex vorbei. Hier wurde eine Fantasiewelt geschaffen, voller steinerner Tiere, künstlicher Bächen und Brücken, sowie grossen Kunsthöhlen, mit hunderten von festlichen Sitzplätzen. In dieser Scheinwelt wird wohl oft geheiratet.
Für uns ist das echte Albanien speziell genug. Wir kaufen bei einem alten Mann in einem Miniladen Gemüse und er strahlt übers ganze Gesicht, wenn wir uns auf albanisch bedanken: Faleminderit!

Wieder am Meer, bestaunen wir touristische Infrastruktur, die aus dem Boden gestampft wird und so gar nicht zum Rest passen will. Gleich daneben stehen einige speziell grosse Bunker aus der Diktaturzeit, in denen man Hotels einrichten wollte, aber wie so viele, ist auch dieses Projekt nicht vollendet worden.
Unseren Schlafplatz finden wir auf einer Lagune am Meer. Während ich froh bin, nach diesen vielen Eindrücken mit den Händen etwas tun zu können und Znacht koche, unterhält sich Hannes mit den anderen Weltenbummlern.

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