Einer unserer bis jetzt schönsten Ferientage liegt vor uns, aber das wissen wir am Morgen natürlich noch nicht. Um 6 Uhr, noch vor dem Zmorgen, fahren wir los. Geplant ist eine Offroadstrecke hoch in die Berge.
Es ist wunderbar, so früh unterwegs zu sein. Die Welt scheint erst gerade aufzuwachen, da klettert der Landy schon die Hügelstrassen hoch. Es gibt eine lange Fahrt, wir werden tüchtig durchgeschüttelt. Hannes sucht gerne den landyschonendsten Weg durch die stark gefurchten und gerölligen «Strassen».

Nach zwei Stunden Fahrt sind wir oben angelangt. Was uns erwartet ist grandios. Nachdem wir nur durch karge Steinlandschaften gefahren sind, stehen wir plötzlich in einer Alpenblumenwiese und sehen auch auf die andere Seite ins Tal. Hier oben kochen wir Kaffee und Porridge, geniessen unser Frühstück sehr.
Auf dem Rückweg entdecke ich eine grosse, hellgrüne Eidechse mit gelbem Bauch, die besser in den gestrigen Blog gepasst hätte.
Wir kurven in ein kleines Dorf, um uns dort eine alte Moschee anzuschauen. Auf dem Dorfplatz angekommen, sehen wir sie peinlicherweise nicht, obwohl wir praktisch davorstehen, uns aber ein grosser Baum die Sicht nimmt. Ich frage einen alten Mann. Er versteht mich natürlich nicht, bis ich ihm das Bild der Moschee zeige.

Lachend zeigt er geradeaus und lädt uns sofort zu Kaffee und Raki in sein Haus ein. Diesen Besuch werden wir noch lange in Erinnerung behalten. Seine Frau, natürlich ganz in schwarz gekleidet, umarmt mich schon zur Begrüssung. Die Schwiegertochter kocht Kaffee für uns, der Sohn repariert hölzerne Eselssättel, die alten Leute reden viel mit uns, wir verstehen gar nichts, spüren aber die grosse Herzlichkeit, die uns bewegt.

Würden wir je jemanden bei uns zuhause von der Strasse weg nach Hause einladen?
Jetzt aber doch noch zur alten Moschee. Leider wird sie gerade renoviert, dafür beschert sie uns die nächsten spannenden Begegnungen. Hannes kommt mit einem Künstler ins Gespräch, dessen Hobby diese Renovation ist. Mich heisst ein Mann herzlich willkommen in Albanien, der für die religiösen Belange der Region zuständig ist. Beide sind per Zufall gerade jetzt auf der Baustelle und es ergeben sich spannende Gespräche auf englisch. So kurz hintereinander hatten wir Begegnungen mit Menschen aus so unterschiedlichen Schichten. Ihnen gemeinsam war aber eine grosse Herzlichkeit und wir haben uns als Gäste in diesem Land sehr willkommen geheissen gefühlt.
Bereichert fahren wir an die Küste zurück. Saranda ist die letzte Stadt vor der griechischen Grenze, ein moderner Badeort. An einem einsamen Strandstück ganz am Rande der Bucht essen wir mit einer wilden Katze und einem wilden Hund zu Mittag. Dann stürzen wir uns für den Kaffee kurz ins Touristengetümmel. Da ein grosses Kreuzfahrtsschiff in der Bucht geankert hat, sind viele Touristen unterwegs und wir sind froh, bald wieder abfahren zu können. Dann kommt die allabendliche Frage: Wo übernachten? Wir wollen uns einen Parkplatz und einen Campingplatz anschauen gehen. Der Parkplatz gefällt uns gar nicht. Aber Hannes, der alte Pfadfinder, erspäht einen Weg, der von dort abgeht Richtung Strand. Fahren kann da nur ein Landy oder ein unverfrohrener Einheimischer mit seinem alten Mercedes. Wir landen an einem Traumort, direkt an der Lagune, Blick auf Korfu, schöner geht es nicht.

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