Früh um 5 Uhr öffnen wir unser «Schlafzimmerfenster» und Hannes entdeckt über meinen Krauskopf hinweg Morgenrot hinter den Bergen und Krauskopfpelikane auf dem Wasser. Noch zwei Mal im warmen Bett umdrehen, dann stehen wir auf und fahren ganz an den See hinunter. Hannes hat die Piste geortet und der Landy kurvt hindurch. Jetzt stehen wir nahe am See und gehen mit Kamera und Feldstecher auf Krauskopfpelikanjagd. Wir werden für das frühe Aufstehen belohnt und dürfen die faszinierenden Tiere lange beobachten, wie sie sich waschen, Fische fangen und sonnen.

Während wir Zmorgen kochen, ziehen sie weiter, kommen wieder zurück und so friedlich vergehen die ersten Morgenstunden.


Dann ziehen auch wir weiter und fahren durch Dörfer am See. Hier scheint die Zeit wirklich stehen geblieben zu sein. Die Häuser sind zum grossen Teil sehr einfach, es gibt wesentlich mehr Esel als Autos und in der Landwirtschaft wird alles von Hand gemacht.

Ich sehe vor allem gebeugt Rücken auf den Feldern. Als ein Mann sät, denke ich, er hätte Van Gogh Model gestanden. Hier ist, wie es im Reiseführer steht, sicher alles bio. Auf der anderen Seite des Berges wohl kaum noch. Dort wird im grösseren Stil angebaut. Wir passieren auch einen Pestizidladen und sehen, wie diese versprüht werden.
Am Strassenrand sitzen immer wieder Menschen, die eigene Lebensmittel verkaufen und dort zu halten, ist ein Erlebnis. Wir erstehen viel getrocknetes Obst und schauen erstaunt auf getrocknete, gesalzene Schafs- und Ziegenknochen. Wozu man die wohl verwendet? Wahrscheinlich für schmackhafte Suppe, aber in Albanien ist mir jegliche Lust auf Fleisch vergangen. Unser Verkäufer preist auch alles als bio an, weiss worauf Touristen stehen.

Als Hannes fragend auf ein Spritzgerät zeigt, kommt eine lange Antwort, wir verstehen nicht wirklich, was er meint.
Am Ohridsee angekommen, wird unsere Stirn auch kraus (ja ich weiss, passt nur bedingt als Wort, dafür zum Blogthema), so sehr touristisch ist hier die Strandinfrastruktur. Wir flüchten auf einen Campingplatz ausserhalb, vor einem Hotel, direkt am Ufer. Hier verbringen wir den Nachmittag lesend und ausruhend. Es ist kalt, windig und unfreundlich. Zuhause würde ich jetzt nicht draussen bleiben. Aber es tut gut, es hier zu tun, sich mit warmen Kleidern und Tee in den Windschatten des Landys zu setzen. Die Freude, über die Sonne, die sich gegen Abend wieder zeigt, ist so doppelt gross.
Als riesiges, rostiges Denkmal steht hinter unserem Platz eine alte Eisenmine aus kommunistischer Zeit. Wir probieren einen Spaziergang dorthin, werden aber von einem angsteinflössend knurrenden Hund gestoppt. Zum Glück hat Hannes eine Drohne…..