Mit dem Auto kommen wir gut am Hund vorbei, der uns gestern im Weg war und kraxeln in den riesigen rostigen Ruinen einer alten Eisenmine herum.

Erstes Ziel ist heute das kleine Dorf Lin. Es kuschelt sich in eine Bucht der Halbinsel am Ohritsee. Dort steigen wir auf einen Hügel, weil sich dort die Grundmauern einer frühchristlichen Kirche befinden, deren Bodenmosaik vollständig erhalten ist. Oben angekommen ist das Gelände geschlossen. Und dann passiert etwas, dass unser Reisen immer so toll macht. Wir suchen etwas und finden anstatt oder zusätzlich etwas anderes. Wir können vom Hügel aus auf die andere Seite der Halbinsel schauen, wo die Bewohnerinnen ihre Selbstversorgergärten angelegt haben. Das sieht von oben her ganz speziell aus. Gegärtnert wird aber nicht als Hobby, sondern zum Leben und deshalb nutz man jeden noch so kleinen Flecken Land und muss diesen gegen allerlei Getier, das am Weiden ist, schützen.
In der Zwischenzeit wurde das Gelände zur Kirche geöffnet und wir dürfen einen Quadratmeter des Mosaikes sehen. Der Rest ist mit Sand zugedeckt und wird so konserviert. Es beeindruckt mich sehr, v.a. auch, wenn ich mir vorstelle, wie alt es ist.

Auch unser nächstes Ziel ist steinig, eine weitere alte Bogenbrücke, verwunschen zugewachsen.

Über eine kleine Offroadstrasse wollen wir weiterfahren, aber da ist keine mehr. An ihrer Stelle wird eine breite neue Strasse gebaut. Strassenbau, ein grosses Thema in Albanien. Für das Material werden ganze Berge aufgerissen. Bauen allgemein ist auch hoch im Kurs. Jeder träumt vom Eigenheim, möglichst mit Säulen und pompösen Tor. Dazu wird zuerst ein Betongerippe des Hauses gegossen. Danach werden die Wände mit Backsteinen gefüllt. Je nach Geld oft zuerst ein Stock, der dann bewohnt wird oder ein Laden oder Café wird dort untergebracht. Wenn dieses genug Geld erwirtschaftet hat oder wenn Geld aus dem Ausland kommt, wird der nächste Stock fertig gestellt. Das ergibt für uns oft ungewohnte Anblicke.

Es geht steinig weiter. Wir besuchen den Künstler Gezim Hidri in seiner Werkstatt und staunen, was er aus Stein alles herausarbeitet.

Steinig ist auch unser Übernachtungsplatz in einem Flussbett. Mit vielen Gedanken an Island furten wir den Fluss und machen es uns in den Steinen gemütlich.

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