Ein weiterer Tag mit Kälte und Regen in den Bergen. Aber Barbara hat ein gutes Alternativprogramm zum Wandern. Wir fahren mit ihr zu einer Primarschule im Nachbardorf. Der Schweizer Verein Arsimi (http://www.arsimi.ch/) hat diese Schule unterstützt und so konnten sie im Schulzimmer einen neuen Boden, eine neue Decke und neue Fenster einbauen. Jetzt machen wir einen Besuch und Barbara schaut, wie die Neuerungen umgesetzt wurden und ob sie sonst noch etwas brauchen. Für uns eine tolle Gelegenheit, denn wann sieht man sonst in eine Schule. Von aussen ist das Häuschen nicht als Schule erkennbar.

Als wir ins Schulzimmer kommen, empfangen uns wohlige Wärme, eine aufgestellte Lehrerin und zehn, sofort aufstehende, neugierige Kinder.

Ich bin beeindruckt zu sehen, wie hier erste bis fünfte Klasse unter einfachsten Bedingungen unterrichtet werden. Die Kinder arbeiten individuell an ihren Aufgaben und bringen diese der Lehrerin zum Korrigieren. Ausser den Pulten, der alten Wandtafel und dem Ofen gibt es kein weiteres Material im Schulzimmer.

Also Unterricht ohne Anschauungsmaterial, ohne Computer (wie auch, es hat ja keinen Strom) und ohne andere Hilfsmittel. Aber Schüler und Lehrerin sind motiviert.

Es ist schön zu sehen, was mit relativ wenig Geld hier bewirkt werden kann.
Der Staat stellt nur Schulmaterial und Lehrerlohn zur Verfügung und für die Kinder ist es ja extrem wichtig, dass sie zur Schule gehen können und nicht nur Schafe hüten müssen.
In der Schule gibt es auch kein fliessendes Wasser, aber trotzdem wurde die Toilettensituation sauber gelöst.

Nach dem Schulbesuch treffen wir den Schwager der Lehrerin, mit dem Barbara weitere Verbesserungen in der Schulstube bespricht. Es ist jedes Mal von Neuem spannend, in Privathäuser zu sehen. Es gibt immer eine sehr grosse Polstergruppe, oft Bilder von Mutter Theresa (weil diese aus Albanien stammt) und Jesus und oft läuft ein Fernseher. Zur Begrüssung der Gäste kommt oft auch die Grossmutter und so prallen jeweils Welten aufeinander, wenn die alten würdigen Frauen, ganz in schwarz mit weissem Kopftuch, den knapp bekleideten jungen Frauen auf MTV begegnen.
Dann wird der obligate Raki (selbstgebrannter Schnaps) und Kaffee serviert. Die Ferientage mit Barbara waren die schnapsreichsten meines Lebens. Trotzdem war die Zeit mit ihr keine Schnapsidee, sondern bereichernd, wertvoll und einmalig. Wir sind ihr sehr dankbar, welchen individuellen Blick auf Land und Leute sie uns ermöglicht hat.
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