27 Jahre sind wir schon verheiratet und das feiern wir heute. Es ist beglückend, sich immer noch so zu lieben und so gerne zusammen zu sein.

Am Morgen streifen wir nochmals, ohne Regen, durch Pershkopi und fühlen uns wie im tiefsten Albanien, was wir ja auch sind.

Wir sind die einzigen Touristen und werden entsprechend wahrgenommen. Die Menschen sind sehr fröhlich, freudig, wenn wir etwas kaufen.

Ich bin aber nicht sicher, ob wir ab und zu mehr bezahlen als Einheimische. Aber das macht ja auch nichts. Die Strassen sind hier auffällig voller Männer und auch an den Anblick der vielen Kaffee trinkenden Männer in den Cafés habe ich mich noch nicht gewöhnt.
Dann starten wir zu einer unserer letzten Offroadwege, der scheinbar Kultstatus haben soll. Es geht dem schwarzen Drin entlang, meist leicht erhöht auf gut befahrbaren Kieswegen. Die Steinfarben sind mal speckig wie gestern, mal eher orange oder violett. Immer wieder sehen wir spezielle Vögel und mein geliebter tiefroter Mohn erscheint immer wieder am Wegesrand.

Die Strecke führt durch mehrere Dörfer und da merken wir zu ersten Mal, dass hier im Sommer vermutlich viel Offroadverkehr herrscht, denn die Kinder kommen mehrmals um Süssigkeiten bettelnd angerannt.
Das Wetter ist noch nicht traumhaft, es windet sehr, ist bedeckt und nieselt. Weil wir uns die schöne Strecke noch für Sonnenschein aufheben wollen, machen wir bei einer Brücke eine ausgedehnte Mittagsrast.

In grossen Abständen fährt mal ein Auto vorbei, dass dann immer hupt, was in Albanien meist hallo oder danke heisst.
Wir fahren weiter, aber das Wetter wird leider schlechter statt besser.

Wegen bellenden Hirtenhunden trauen wir uns auch nicht, zu einem Aussichtspunkt zu spazieren. Wir beschliessen, die Route heute noch zu beenden. Als wir wieder auf Teer fahren, wird der Nebel so dicht, man könnte meinen wir üben für Schottland.
Die Stadt Kukes liegt noch auf unserem Weg. Eine sehr spezielle Stadt, leider eher im negativen. Die alte Stadt wurde im Stausee ertränkt und die Neue ist von einer Lieb-und Herzlosigkeit, wie ich schon lange keine Stadt mehr gesehen habe. Und natürlich lässt das Regenwetter die schlechten Strassen und die vielen baufälligen Häuser auch nicht besser aussehen. Was mir sehr Eindruck macht, ist zu lesen, dass die Stadt, die so nahe an Kosovo liegt, damals im Balkankrieg 100’000 Flüchtlinge aufgenommen hat und das erst kurz nach der Befreiung vom Kommunismus.
Weit weg von der Stadt, finden wir in der Einsamkeit einen Heckenzug, hinter dem niemand den Landy vermutet. Wir kochen Ratatouille, trinken Wein und die Fledermäuse fliegen uns um die Ohren.