In Schottland angekommen, spuckt die Fähre uns alle wieder aus und wir sind mitten drin im Linksverkehr, müssen sofort durch Kreisel kurven und auf Schnellstrassen mithalten. Wieder einmal bin ich, obwohl nur Beifahrerin überfordert, während Hannes konzentriert fährt. Vielleicht hat ihm ja der Landy geholfen, weil er jetzt ja sozusagen in seiner Heimat ist. Ich hoffe, er schämt sich nicht, dass er das Steuerrad auf der falschen Seite hat.
Gemeinsam schaffen wir es zu einem grossen Lebensmittelladen für den Grundeinkauf. Dabei merke ich, wie erschöpft ich bin. Normalerweise liebe ich das Einkaufen, v.a. in fremden Ländern. Im Moment überfordert mich das riesige Sortiment. Musste ich in Albanien noch suchen, ob es ein Produkt überhaupt gibt, muss ich mich hier entscheiden, ob ich die grosse oder die kleine Packung nehme, aus x verschiedenen Marken auswählen, mich für oder gegen Bio entscheiden (was natürlich keine wirkliche Frage ist), um nachher an einem anderen Ort im Laden nochmals eine speziellere Variante des Gesuchten zu finden.
Wir sind für mehrere Tage autark, es kann losgehen! Aber wohin? Wir wollen dem schönen Wetter nachfahren und so geht die Fahrt zuerst zu einen Handyshop, um eine Simkarte zu kaufen, damit wir Zugriff zur Wetterprognose haben. Das aktuelle Wetter ist sehr windig und wolkig.
Auf dem Weg zu einem Übernachtungs- und Planungsplatz kommen wir noch in Gretna Green vorbei. Die Reiseführer «warnen» davor, finden aber, man soll es sich trotzdem ansehen. An diesem Ort, direkt nach der schottischen Grenze, wurde früher lange Zeit ein Gesetz der Engländer umgangen. Diese durften erst mit 21 Jahren heiraten und hier traute man Paar schon ab 16 Jahren, ohne Einwilligung der Eltern, nur zwei Trauzeugen waren nötig. Auch heute heiraten oder erneuern ihr Versprechen hier noch unglaubliche 500 Paare pro Jahr. Für mich unvorstellbar, den der Ort besteht vor allem aus Shops für Touris inkl. allen Schottlandvorzeigesachen wie Dudelsack etc. Aber jedem das Seine.


Wir haben hier die Gelegenheit ergriffen und Hannes richtig einzukleiden.

Danach fahren wir ans Meer und finden neben einem Fischerhäuschen, hinter einer Hecke einen windstillen Platz. Kaum zu glauben, den um uns herum bläst es kräftig. Es regnet auch immer wieder und so müssen wir uns gegenseitig motivieren, den Kopf nicht hängen zu lassen, was wir zum Glück gut können. Wir kochen im Landy Znacht und planen unsere Ferien.

Dieses Foto entstand in den einzigen fünf sonnigen Minuten des Abends.