Weil gestern so ein «anstrengender» Tag war, schlafen wir heute etwas länger, nehmen es am Morgen sehr gemütlich und sitzen erst um elf Uhr im Bus Richtung Stadt. Ich liebe das Fahren durch die Aussenquartiere. Obwohl Sonntag ist, haben fast alle Läden geöffnet und weil Sonntag ist, sind fast alle Cafés voll. Es fühlt sich an, wie wenn ganz Edinburgh auswärts frühstückt. Da wollen wir auch mitmachen, steigen aus und mischen uns für ein zweites Frühstück unter die Leute in einem kleinen Restaurant. Wir haben viel Zeit, die Menschen auf der Strasse zu beobachten, weil der Service nicht der Schnellste ist und Hannes fast eine Stunde auf seinen Kaffee warten muss.

Wir geniessen die Sonne und unser Sein zusammen.
Weil wir jetzt schon relativ nahe am Zentrum sind, laufen wir zur zum Castel. Dieses ist die Toptouristenattraktion von Schottland. Je näher wir kommen, je dichter wird der Menschenstrom. Gefühlsmässig würde ich jetzt am liebsten umkehren, aber da muss ich durch und der Eintritt ist wegen unserer erworbenen Mitgliedschaft ja «umsonst».
Obwohl ich nicht der grösste Fan von alten Burgen bin, staune ich jetzt doch. Die Grösse ist beeindruckend, eine Stadt auf einem Felsen über der Stadt. Die Aussicht über Edinburgh ist toll, auch wenn man fast keinen Platz findet, sie zu geniessen, weil überall schon Andere hinunterspähen.

Am meisten wird mir das Kerker in Erinnerung bleiben. Er ist eingerichtet wie damals und man bekommt so eine Hauch davon mit, wie es gewesen sein könnte.

Nach kurzen Blicken in andere Gebäude treten wir dann doch den Rückzug an. Es fühlt sich oft an wir bei uns im Landesmuseum und hat einfach zu viele Touristen.
Kaum draussen, wartet die nächste Touristenfalle, die Scotch Whisky Experience. Diese zieht mich magisch an, obwohl ich ja bekanntlich nicht die grosse Alkoholgeniesserin bin. Peinlich es zuzugeben, aber es liegt an der disneylandmässigen Aufmachung, denn man fährt in Fässern durch eine theoretische Wiskeyherstellung. Hannes sieht meinen Blick, spürt meine Ambivalenz und sagt seinen schon fast legendären Satz: «Wir sind jetzt hier!» und schon stehe ich glücklich in der Warteschlange und kurz darauf kuscheln wir uns in unserem fahrenden Fass zusammen.

Nachdem wir ein bisschen über die Herstellung gelernt haben, heisst es wieder aussteigen und mit einem Film lernen wir Whiskeysorten aus den verschiedenen Gegenden von Schottland kennen. Wunderschöne Bilder und das Beste, wir können da überall noch hinfahren! Ein Guide erklärt uns dann, wie Wiskeysorten gemischt werden und wie man richtig degustiert. Es war eine abwechslungsreiche, spannende Stunde und wir werden trotzdem noch kleinere Destillerien besuchen.
Wir schlendern noch durch die Gassen vom Grassmarket, schön alt, aber auch schön touristisch.

Danach suchen wir uns ein indisches Restaurant, weit weg von den Massen und essen wunderbar Znacht.

Gestärkt stürzen wir uns nochmals in die Menge. Wir wollen den Sonnenuntergang erhöht erleben und gehen auf den Carlton Hill, bei weitem nicht so hoch wie gestern und bei weitem mehr Menschen.
Hannes sucht sich einen Fotografenstandort, den er nur mit ein paar Profis teilt.

Ich suche mir bewusst ein Plätzchen am meist besuchten Ort, mit der besten Aussicht auf die Stadt. Die Aussicht und der Sonnenuntergang interessieren mich mässig, ich amusiere mich köstlich, wie die Leute sich vor dieser Kulisse selber in Szene setzten.

Es werden in der Stunde, in der ich da bin, sicher tausende von Fotos und Selfis geknippst.
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