Um vier Uhr morgens erwache ich zufällig und sehe die Sonne über einem blutroten Meereshorizont aufgehen. Um sechs Uhr fährt schon das Kanu mit den Arbeitern, die Seaweed schneiden, hinaus. Es ist Ebbe, sie müssen die Zeit nutzen. Wir klettern auch aus dem Landy und gehen an den Strand, von wo aus wir ihnen zuschauen.

Mit ihrem Chef Rory ergibt sich dann ein Gespräch, das uns eine ganz neue Welt eröffnet.

Er hat uns mit grosser, ansteckender Begeisterung so viel erzählt, ich weiss gar nicht, wo ich anfangen soll mit aufschreiben. Um uns die Vielfalt von Seaweed zu zeigen, schnappt er sich ein Körbchen, sieht aus wie zum Pilze suchen, und klettert für ein paar Minuten den Steinen entlang, die noch aus dem Wasser ragen. Dann kommt er mit ca.10 verschiedenen Seegräsern zurück und erzählt über jedes einzelne spannende Sachen. Ich wünschte, ich hätte mehr verstanden und mir mehr merken können.
Folgendes hat mich beeindruckt:
– Die Sorte Seegras, die sie hier schneiden, verfeinert das Aroma aller Speisen, ist also mit Glutamat zu vergleichen.
– Es gibt ein Seegras, das Speisen zum Gelieren bringt. Kennen wir ja als Agar Agar. Ich habe es sofort mit etwas Milch ausprobiert und es hat geklappt.
– Es gibt keine giftigen oder schlechten Seegräser. Man kann also getrost selber ernten und ausprobieren.
– Seaweed enthält je nach Art viele diverse Mineralstoffe und Proteine.
– Das Ernten ist ein harter Saisonjob, der nicht ungefährlich ist. Die Arbeiter sind ausgestattet mit Helm, Schwimmweste, Satelitennotrufgerät und wasserdichtem Anzug.
Wir sind sehr fasziniert von der Materie und der liebenswürdigen Art, wie sie uns weitergegeben wird. Wir empfinden es nicht als selbstverständlich, wieviel Zeit sich Rory für uns nimmt.
So machen wir uns auf, seine Produkte in den Läden aufzuspüren und dann auch auszuprobieren.
In der Schweiz kennt man sie ja noch gar nicht. Vielleicht wird das ja unser nächster Job…..

Das Wetter hält sich erstaunlich gut und so fahren wir nochmals nach St. Andrews. Diese sympathische Kleinstadt war ursprünglich ein Wallfahrtsort. Heute pilgert man mit dem Golfschläger hierher, es ist ein Golfermekka geworden. Auch ist es die älteste Universitätsstadt Schottlands. Hier haben sich Prinz William und Kate kennengelernt. Und heute ist hier ein spezieller Tag, Abschluss der Uni, Graduation. Es ist punkt zwölf, als wir zufällig direkt vor der Uni einen Parkplatz finden. Die Glocken läuten für die Abgänger, welche in speziellen Gewändern, mit Diplom in den Händen und Familie und Freunde um sich herum, herauskommen. Nachdem wir das lange beobachtet haben, beschliessen wir, mal hineinzugehe, n, wo alle herauskommen und stehen im Innenhof der Uni. Das Erste was mir spontan einfällt, ist der Vergleich mit Hogwarts. Kein Wunder ist Harry Potter in Schottland geschrieben worden.


Von den vielen Eindrücken dieses Tages bin ich total erschlagen und todmüde. Daher haben wir es am Nachmittag sehr lustig zusammen, beim Shoppen, Besichtigen der Ruinen und der Fahrt zurück an den gleichen Stellplatz.

Diesmal sind wir nich alleine hier, sondern teilen den Platz mit vielen anderen Campern, die sich sicher nicht vorstellen können, was wir hier spannendes erlebt haben.
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