Heute war wieder ein sehr reicher Tag. Mit Hilfe von drei Reiseführern haben wir uns eine spezielle Route selber zusammengestellt. Wir sind in der Nähe vom Loch Ness, wollen diese Gegend aber ohne Nessirummel geniessen. Früh brechen wir auf und fahren Richtung Glen Affric. Die Gegend wird immer ursprünglicher, entspricht immer mehr dem, was wir uns unter schottischem Hochland vorgestellt haben.
An einigen Orten halten wir an, laufen kurze Trails und sind fasziniert. Wir sind mitten in einer mystischen Landschaft. Das Wasser ist dunkelblau, dunkelgrün, braun bis schwarz. Das Unterholz ist voller Farne und die Bäume sind voller Flechten und Moos. Der Boden ist torfig, weich und oft sumpfig. Und nachdem sich mit «der Brücke am Tay» meine Gedichtskiste geöffnet hat, denke ich jetzt natürlich an «den Knaben im Moor». Das Wetter ist schottisch, mal Wolken, mal Sonne, ab und zu ein paar Regentropfen, was den Fotografen herausfordert und manchmal stresst, denn es könnte ja bald noch besseres Licht kommen.



(Making off)
Um viele Eindrücke reicher, fahren wir aus dem Tal hinaus und halten an einem orginellen Café in einer alten Post. Es gibt wunderbaren Kaffee und Kuchen und die liebenswürdige Frau verrät mir ihr Rezept für Tablets, das sind die schottischen Nidelzälti.

Nicht, dass es mir an Schälchen und Tassen mangeln würde, aber wenn ich Töpferei lese, zieht mich das fast magisch an. Diesmal ist es ein sehr spezieller Ort. Wir fahren einige Meilen ins No-where und kommen an ein zauberhaftes Haus, wo zwei Frauen sehr schöne Keramik herstellen und wir einen Briten treffen, der lange im Berner Oberland lebte. Eine neue grüne Vase wird mich an diese Begegnung erinnern.

Gegen Abend starten wir noch zur vielleicht grandiosesten Sackgasse Schottlands. Dieser Traumweg führt uns zuerst an dunklen Lochs vorbei, die von der Sonne beschienen werden und deren Ufer dicht mit hohem Farn bewachsen sind. Rhododendron, der leider am Schluss seiner lila Blüte ist und immer wieder rosa Fingerhut begleiten unsere Fahrt. Dann öffnet sich die Landschaft und es sieht ähnlich aus, wie bei uns in den Bergen über der Baumgrenze, wir sind aber nur 250m hoch und bei genauem Hinsehen entdeckt man, dass der Boden oft sehr sumpfig ist. Wir sehen Hirschkühe mit ihren Jungen grasen und dann immer wieder kleine Gruppen von Hirschböcken (an dieser Stelle spezielle Grüsse an alle Mitglieder des Hirschclubs). Dann stürzt sich die Strasse achterbahnartig parallel zu einem Bach wieder auf Meereshöhe hinunter und wir sind in Kinloch Hourn. Hier ist die Welt vielleicht und die Strasse ganz sicher zu Ende. Es gibt nur wenige Häuser und bei einem kann man für ein Pfund campen.

Alles ist perfekt, schönes Wetter, kein Wind, wunderbarste Landschaft, da machen wir das erste Mal Bekanntschaft mit den schottischen Mücken, den Midges. Ich hätte nicht für möglich gehalten, was wir erleben. Sie kommen zu Hunderten, gefühlt zu Tausenden, sind winzig klein und nervtötend. Es gibt keine Entrinnen. Wir probieren mit unseren Mückennetzen über dem Kopf zu kochen. Geht mässig und zum Essen müssen wir sie ja abziehen. Das Einzige was hilft, ist laufen, aber das können wir ja nicht noch den ganzen Abend lang machen. So verkriechen wir uns schnell ins Auto, können aber unsere Fenster nicht öffnen, weil die Midges so klein sind, dass sie sogar durch unsere Mückengitter kommen. Es soll uns scheinbar nicht zu wohl werden.
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