Trotz des schönen Ortes flüchten wir am Morgen an einen mückenfreien Platz zum Frühstücken, das heisst, wir beginnen die 35km lange Sackgasse zurückzufahren. Es ist interessant, wie wir die gleiche Strecke rückwärts und zu anderer Tageszeit neu wahrnehmen. Während Hannes noch einen Drohnenflug macht, laufe ich eine Zeit lang, was wieder zu anderen Beobachtungen führt. Aber egal auf welche Weise, die Landschaft ist grandios.

Rory, unser Seaweedman, hat uns darauf aufmerksam gemacht, das die Ebbe morgen früh eine extrem tiefe sein wird und wir dann unbedingt am Meer sein sollen, weil Vieles, was sonst immer unter Wasser ist, sichtbar sein wird. Deshalb machen wir uns wieder Richtung Meer auf, die Fahrt geht Richtung Norden. Wir folgen dem Loch Ness auf der untouristischen Seite, was uns durch schönes Farmland führt. Hannes hat noch kurz überlegt, sich einen zweiten Landy zu kaufen….

Ich schätze, wir haben heute mehrere Tausend Schafe gesehen. Weil wir gerne kleine Nebenstrassen fahren, treffen wir unverhofft auf ein kleines Loch (d.h. übersetzt See), das für seine Vogelbeobachtungen bekannt ist. Es hat sogar eine extra Hütte dafür. Das wollen wir auch mal ausprobieren. Im Häuschen sitzen schon zwei Profis mit grossen Fotokanonen. Wie an einem heiligen Ort wird geschwiegen oder höchstens geflüster.

Auf bunten Schautafel gibt es Erklärungen zu allen Vögeln und Enten.

Aber jetzt muss man sie zuerst erspähen. Hannes hat nicht viel Geduld und zieht lieber mit der Kamera in den Wald. Ich bin irgendwie fasziniert, obwohl mein Feldstecher nur Stockenten mit Jungen findet. Es hat etwas Meditatives, in dieser Ruhe auf den See zu schauen. Ich geniesse es, hänge meinen Gedanken nach, als ich ganz unerwartet eine spezielle Ente entdecke, eine Slavonian grebes. Ich bin stolz und happy, beobachte sie noch eine Weile, aber auf noch längeres Sitzen habe auch ich keine Lust.
Wir fahren an die Küste nördlich von Inverness. Wenn es zwischendurch mal regnet, kann uns das schon nicht mehr aus der Fassung bringen, denn wir wissen, es wird von kurzer Dauer sein.
Was für mich Töpfereine sind, sind für Hannes Leuchttürme, sprich ein Ort to go. Meine Töpferei heute war nicht berauschend, dafür hat Hannes mit seiner Leuchtturmwahl ins Schwarze getroffen. Wir landen an einem tollen Platz mit Meersicht, der sich auch gut zum Übernachten eignet. Auf einem Spaziergang beobachten wir die Küste genau und entscheiden zu bleiben, den das wird unser Ort für die tiefe Ebbe morgen früh.