Der Wecker läutet um 3Uhr30, denn Hannes will den Sonnenaufgang beim Leuchtturm fotografieren. Ich nehmen den bequemen Weg, öffne mein Schlafzimmerfenster und schaue mir das Spektakel vom warmen Bett aus an. Danach schlafen wir nochmals ein und müssen uns dann plötzlich beeilen, um den speziell tiefen Ebbestand nicht zu verpassen. Sehr warm angezogen, steigen wir den kurzen Weg direkt vom Landy an die Küste hinunter. Auf den ersten Blick eröffnet sich da keine neue, noch nie gesehene Welt. Beim genaueren Beobachten entdecken wir aber, wie das Seaweed Kuombo wächst, seine Stämme und wie es sich an den Steinen festhält.

Bei ihm und auch bei anderen, glauben wir die Sporen zu sehen, mit denen sie sich vermehren. Wir erkennen uns schon bekannte Seegräser und entdecken ein neues, pinkiges. Uns faszinieren aber auch die vielen Muscheln, die genau am für sie besten Platz leben, sei das mit viel oder wenig Wasser pro Tag.
Obwohl es stark windet, essen wir draussen Zmorgen, wir sind ja noch dick eingepackt. Danach fahren wir los. Die Sonne ist schon lange wieder verschwunden, dicke Wolken stehen am Himmel. Wir aber haben es kuschelig warm im Auto und ich geniesse meine Sitzheizung, die ich der Landyvorbesitzerin verdanke, ganz besonders. Gemütlich schaukeln wir der Küste entlang nach Norden. Jedes Strässchen, das uns anzieht, probieren wir aus und kommen so an unbekannte Ecken. Es ist eine extrem gemütliche Fahrt. Sie bringt uns auch an den zwölft bekanntesten Golfplatz der Welt, dort bekommen wir aber keinen Kaffee, for members only.

In Helmsdale gehen wir Mittagessen und in ein kleines Museum zur Geschichte der Clearence. Das ist die traurige Vertreibung tausender von Kleinbauern aus den Highlands. Sie hat entsetzliche Armut und viel Emigration ausgelöst.
Anschliessend fahren wir wieder ins Landesinnere, genau durch dieses Gebiet, das sich bis heute nicht ganz davon erholt hat. Dabei verfolgen wir das Museum ohne Wände, eine App bringt uns an spezielle Ort und dort kann man sich vom Handy etwas zur Geschichte vorlesen lassen. Leider verstehen wir nicht alles.

Hier gibt es grenzenlosen Weite, viel Einsamkeit und noch mehr Schafe. Wir schaukeln auf den Singel-track-roads hindurch und geniessen es. Falls wir mal aussteigen, pfeifft uns sofort wieder der Wind erbarmungslos um die Ohren. Heute ist ein Autotag.

An der Nordküste angekommen, entscheiden wir uns, doch noch an den nordöstlichsten Zipfel Schottlands zu fahren und finden dort einen Schlafplatz, wieder bei einem Leuchtturm, umgeben von grasenden Schafen. Der Wind hat nicht nachgelassen, so kochen und essen wir im Landy, was immer besser funktioniert.

Da es so lange hell ist, gehen wir noch um 22h auf einen Abendspaziergang zu den Vogelklippen und zwei vorgelagerten Felsen.