Gleicher Tagesanfang wie gestern, nur dass ich den Sonnenaufgang heute nicht vom Bett aus miterleben kann.

Auch der Morgenspaziergang ist gleich wie gestern unser Abendspaziergang, nur dass wir ganz lange am Vogelfelsen verweilen. Diesmal hat Hannes mehr Geduld, weil er sich wünscht, eine Möve möge genau an einen bestimmten Punkt auf seinem Foto fliegen.

In den Felsen niesten tausende von Möven und Razorbills und auch einige putzige Papageientaucher, die wir schon von Island her kennen. Das Geschrei ist ohrenbetäubend, der Geruch gewöhnungsbedürftig.
Wir befinden uns an der nordöstlichen Ecke von Schottland und fahren jetzt noch ganz genau an diesen Punkt.

Hier geht es sehr touristisch zu und her. Wir beobachten aus einem warmen Café heraus, wie sich die Menschen mit dem Markierung dieses Punktes fotografieren und wie die Kinder auf moderner Kunst herumklettern. Das erste Mal seit langem sehen wir moderne Bauten und moderne Kunst. Das tut gut, nach so vielen Schlössern und Ruinen.

Wir geniessen die Sonne, die wieder einmal ein wenig scheint und fahren auf kleinen Wegen ganz nahe der Küste entlang. Da geht der Weg schon mal durch eine Kuhweide und wir werden interessiert gemustert.

Am Wegesrand in dieser einsamen Gegend steht eine alte umfunktionierte Telefonzelle. Sie ist jetzt ein Ort, um Bücher auszutauschen. So cool!

Hannes guter Riecher führt uns in einen Minihafen mit schönem, abwechslungsreichen Strand, den wir sofort als Übernachtungsplatz aussuchen. Vorher fahren wir noch auf eine Halbinsel, die einen schönen 360 Grad Blick ermöglicht. Auf dem Rückweg halten wir bei einem Künstler, der mit Holz arbeitet.

Sein Stil ist nicht ganz der unsere, aber er spricht uns sofort auf den Landy an. Das passiert uns sehr viel, seit wir in Grossbritannien sind, es ist wie mit Kindern oder Hunden. Viele sind begeistert und erzählen, sie hätten auch einen, oder früher einen gehabt oder er sei ihr grösstes Spielzeug. Auch unser Holzmann mag unser Fahrzeug und zeigt uns begeistert sein ganzes Atelier und seine Arbeiten. Zum Schluss schenkt er uns noch eine Kartongipsplatte, damit wir besser im Landy kochen können.
Zurück an unserem schönen Platz geniessen wir die Zeit am Strand und ich bin total begeistert von den gelben Muscheln, die ich hier finde. Ich wusste nicht einmal, dass es solche Farbtöne bei Muscheln überhaupt gibt. Gelb, orange, violett mit orangem Streifen, gelb mit violetten Streifen! Ich kanns nicht lassen und ziehe immer wieder los.
Heute ist kochen und essen draussen gut möglich.

Nachher wird es aber wieder sehr frisch und wir geniessen die Aussicht vom Auto aus und wärmen uns vor dem Schlafengehen mit einem Strandspaziergang auf.