Das erste Mal läutet unser Wecker um 0h, das zweite Mal um 1h. Da wir so nahe am Strand schlafen, wollen wir ganz sicher gehen, nicht von der Flut überrascht zu werden. Danach ist der Wasserhöchststand erreicht und wir schlafen beruhigt weiter.
Kälte und Wind zwingen uns, im Auto zu frühstücken, aber ein letztes Muschelsuchen lasse ich mir nicht nehmen.
Danach brechen wir zu einer weiteren Tour in die Highlands auf. Natürlich biegt Hannes auch im Städtchen Thurso in kleine Seitensträsschen ein und findet so am Hafen einen kleinen unscheinbaren Fischladen, der von Einheimischen gut besucht ist.

Ein toller, urtümlicher Ort ist das, wir kaufen geräuchten Lachs, Krabbenfleisch und Käse von der Nachbarinsel.
Leider ist unsere Fahrt durch die Highlands wolkenverhangen, daher wirkt alles grau und trüb. Trotzdem faszinieren uns die verlassenen Weiten, die karge Schönheit, wo nur selten ein Haus auftaucht. Der Boden ist oft moorig feucht und es wächst viel Wollgras, was den Wiesen einen silberweisen Schimmer verleiht.
Wer uns kennt weiss, wir fahren nicht auf den grösseren Strassen und werden daher abrupt von einem Gatter aufgehalten. Enttäuscht beginnen wir zu wenden, da kommt von der anderen Seite ein Camper angefahren und verrät uns den Code für das Schloss. Er meint, hier gebe es kein Privatland. Wir freuen uns und fahren weiter. Unser Ziel ist eine der verlassensten Bahnstationen. Hier muss man den Zug per Handsignal anhalten. Die Station gibt es noch, aber das Land darum herum wirkt sehr privat und so rollen wir weiter, kommen aber nur bis zu einem Bahnübergang. Hier muss ich zuerst mit einem Telefon am Zaun Bescheid sagen, dass jemand da ist und hinüber will.

Dann bekommen wir die Erlaubnis, müssen uns aber beeilen, der Zug kommt in sechs Minuten. Also Gatter auf, fahren Gatter zu, fahren, Gatter auf, fahren, Gatter zu.
In einem kleinen, sehr modernen Visitorcenter mitten in den Highlands erfahren wir viel Spannendes über das grosse Moorgebiet. Es ist ökologisch mindestens so wichtig für die Erde wie die Regenwälder. Der Staat kauft möglichst viel privates Land wieder zurück und falls dort Bäume gepflanzt waren, werden diese gerodet, weil sie sonst zuviel Wasser aus dem Moor abziehen und das Gleichgewicht stören. Und wir dachten immer, oje, warum wird hier nur so viel geholzt.
Von jetzt an regnet es ständig und hört bis am Abend nicht mehr auf. In einem Film sahen wir, wie schön es hier bei gutem Wetter ist, wie farbig diese verlassene Landschaft leuchtet und welcher Reichtum an Tieren und Pflanzen hier lebt. Heute regnet es so fest, dass wir nicht einmal mehr auf den Beobachtungsturm hochsteigen.
Wir fahren noch ein Stück durch die Einsamkeit und kommen in ein winziges Dorf mit Hotel. Hier machen wir Pause mit Tee und Scons. Der Ort ist filmreif für einen Krimi: Regen, Wind, altes Hotel am See, wenige Leute im Hotel, ein Ehepaar liest in der Lounge, alles leicht sureal und ein bisschen unheimlich.

Die Weiterfahrt bringt uns wieder an die Nordküste, wo wir um eine lange Bucht herumfahren müssen. Die Berggipfel sind nebelverhangen und wir denken an unsere Ferien in Island , an die Westfjorde.
Und manchmal sehen wir auch im grössten Regen noch Erstaunliches.

Wir finden nach ein paar Holperwegen einen verlassenen Platz zum Schlafen, wo das Salzwasser des Meers und ein Süsswassersee nur durch einen Steinwall getrennt sind.