Es tut uns gut, auf der fast dreistündigen Überfahrt auf die Insel Lewis-Harris zu entspannen.

Wir sitzen in bequemen Sesseln direkt am Fenster, schauen den Wellen zu und lesen oder tun gar nichts.
Auf der grössten Hebridinsel angekommen, fallen beim Herausfahren dicken Regentropfen auf die Windschutzscheibe. Wir haben keinen genauen Plan, wohin wir fahren wollen. Also entscheiden wir bei jeder Kreuzung abwechslungsweise, ob wir links oder rechts abbiegen. So gelangen wir auf eine Halbinsel, die westlich vom Hauptort ins Meer ragt. Sie ist total untouristisch und obwohl es Häuser hat, menschenleer. Wir spielen «wer sieht zuerst einen Menschen?», Leute im Auto zählen nicht. Keiner kann gut punkten. Des Rätsels Lösung? Es ist Sonntag und hier hat die calvinistische Kirche das Sagen. Sie verbietet jegliche Aktivität, ausser Kirchgang und Bibellektüre. So sind alle Geschäfte, Museen und Tankstellen geschlossen und das schlechte Wetter trägt das seine dazu bei.

Die Landschaft ist sehr ähnlich wie auf dem Festland und wir fragen einander, wer wollte auf diese Insel?
Aber schon bald sind wir froh, hier zu sein. Wir finden den höchsten Standing Stones Schottlands, er ist 6 Meter hoch und steht zwischen zwei Weiden in einem Wohnquartier. Weil es gerade wieder tüchtig giesst, lesen wir im Auto und warten. Bei jedem Hochschauen hat sich die Szenerie  verändert und dann steigen wir im Trockenen aus und laufen zum Stein. Zum Glück haben wir gewartet, er ist von Nahem sehr eindrücklich.

Hannes liest gerade einen Krimi, der auf dieser Insel spielt und es wird darin eine Torfleiche gefunden. Genau solche Torffelder (ich hoffe nicht, voller Leichen) sehen wir jetzt. Der gestochene Torf liegt auf den Feldern zum Trocknen und neben manchen Häusern hat es grosse Lager davon zum Heizen.

Ich dachte immer, das sei ökologisch eine Katastrophe, muss dem aber mal noch genauer nachgehen.
Wir erreichen den nördlichsten Punkt der Insel. Hier steht ein eindrücklicher Leuchtturm und die Atlantikwellen brechen an den atemberaubenden Steilklippen aus Lewis-Gneis, der ältesten Gesteinsschicht der Erde. Ein ganz toller Platz zum Bleiben. Wir stellen uns in den Windschatten einer Mauer und so geht es bestens, obwohl es zünftig bläst. Es stehen auch schon zwei andere Camper da und schnell haben wir mit beiden Kontakt. Von Uta und Thomas aus Kemnitz werden wir am Abend noch in ihren Sprinter eingeladen und verbringen eine gemütliche Zeit.