Wir fühlen uns sehr wohl und sicher in Marokko. Es ist schön, mit diesen Gefühlen unterwegs zu sein. Sie kommen wohl auch daher, dass wir in Albanien Erfahrungen sammeln konnten und dass wir beide schon einmal hier waren.
Während dem Frühstück regenet es wieder und wir sind froh, dass wir bei Grebers im Sprinter unterschlüpfen und so alle zusammen zmörgelen können. Rita und ich haben von schönen Töpfereien in Sale gelesen und so machen wir uns dorthin auf, weil es an unserer Route liegt.
Wir verlassen die Berge und kommen wieder in sehr fruchtbare Gebiete. Olivenbäume wohin das Auge blickt und darunter Teppiche aus Ringelblumen, Kamille oder Gras. Die Sonne scheint wieder und lässt alles satt aussehen. Am Strassenrand kaufen wir Oliven und Orangen und denken, wie so oft bei Nahrungsmitteln, dass uns ein Touristenpreis gemacht wurde.

Ich übe mich darin, mich deswegen nicht zu ärgern, denn für unsere Verhältnisse ist es immer noch sehr günstig.
Die Fahrt an die Küste zurück ist ein Traum. Die Landschaft ist farbig und reich. Die Menschen leben in so einfachen Verhältnissen ein hartes Leben, ackern mit Maultieren und sind zu Fuss oder auf Eseln unterwegs.
Irgendwo, mitten im Grünen, taucht ein riesiger Markt auf. Weil wir schon mit allem Nötigen eingedeckt sind, halten wir etwas abseits zum Lunchen. Auf der Strasse vor uns ziehen die vielen Menschen vom Markt heim, viele per Ross- oder Eselswagen. Der Mann lenkt und hinten sitzt die ganze Familie, samt Grossmutter und Einkäufen. Wir bestaunen sie, sie bestaunen uns. Wenn wir ihnen zuwinken, strahlen sie und winken zurück. Frauen etwas zurückhaltender, sie würden auch nie zuerst winken.

Wir nähern uns der Hauptstadt Rabat. Prächtige Einfahrten sind scheinbar etwas Wichtiges und bei der Hauptstadt setzt man noch einen drauf. Die Strassen sind dreispurig, gesäumt von Laternen, Fahnen und Palmen. Welch Gegensatz zu unserem Zmittagsort!
Es hat viel Polizei und Bewachungspersonal in bunten Uniformen. Vermutlich sind wir in der Nähe des Königspalastes.
Dann werden Rita und ich enttäuscht und belohnt. Leider finden wir keinen einzigen Töpfer, dafür eine wunderbare, autenthische Medina. Wir sind die einzigen Fremden, werden aber überhaupt nicht bedrängt oder in Geschäfte gelockt. Man scheint uns nicht besonders wahrzunehmen und das ist sehr angenehm.

Zwischen allen Gassen und Geschäften liegt eine alte Koranschule, eine Medersa, die besichtigt werden kann. Ein Juwel an Schnitz- und Steinmetzkunst.

Wir lassen uns nochmals in der Medina treiben, probieren frisches Gebäck, an Ort frittierte Pommeschips und staunen ob der Welt der Gewürze oder der Hühner, die an Ort geköpft werden, wenn man eines kaufen will.

Lebendig, arm, dreckig, farbig, froh, traurig, orientalisch, prall, gegensätzlich all das fällt mir spontan zur Medina in Sale ein.
Wir entscheiden uns, noch bis auf einen Campingplatz bei Casablanca zu fahren. Im Dunkeln kommen wir an und sind wieder umgeben von Weissware, die wohl hier überwintert.
Comments by Hannes Schneeberger