Den Blogtitel von gestern könnten wir jetzt wohl fast täglich verwenden, ganz sicher aber heute.
Wir fahren in aller Früh los, damit wir bei Sonnenaufgang in Casablanca vor der zweitgrössten Moschee der Welt stehen. Hätte ich fahren müssen, wir wären nicht angekommen. Aber Hannes und René bringen uns sicher ans Ziel. Im Dunkeln, im Stossverkehr, nach marokkanischen Regeln, was heisst, Verkehrsregeln werden sehr frei interpretiert, es ist mit Gegenverkehr auf der eigenen Spur zu rechnen und Velos und Eselskarren haben sehr selten Licht. Es läuft ähnlich wie in Albanien, man muss zügig und klar fahren und auf alles gefasst sein.
Es ist schon hell, aber der Vollmond steht noch neben dem Minarett, als wir auf den Platz der Moschee Hassan II kommen. Die Moschee ist ins Meer hinaus gebaut, was auf den Koranvers, der Thron Gottes wird über dem Wasser errichtet, zurückgeht.
Das frühe Aufstehen war hart, aber jetzt ist es grandios, fast alleine da zu sein. Nachdem wir die Stimmung, den Bau und den Sonnenaufgang genossen haben, nehmen wir an einer Führung teil. Dabei gefallen mir die unterirdischen Waschräume am besten. Hier könnten 1400 Menschen gleichzeitig ihre rituellen Waschungen machen.

Dann wird es auch für uns Zeit zum Frühstücken, heute auswärts, mit Noss Noss (Milchkaffee) und pain au chocolat.

Um den Vorratsschrank wieder aufzufüllen, mit Dingen, die es nicht auf dem Markt gibt, steuern wir einen Carefour an. Es ist eine Gourmetausgabe. Da ich das nicht kenne, bin ich extrem gespannt. Dann verschlägt es mir fast die Sprache. Rita und ich stehen in einer Delikatessa und das mitten in Casablanca. Die Preise gleichen denen in der Schweiz, was für die meisten Marokkanaer unerschwinglich ist.
Aber wir sind in einem reichen Viertel, es hat viele Leute die einkaufen. Welch Gegensatz, noch drei Kreuzungen vorher haben Bettler und Nastüechliverkäufer an unsere Autoscheiben geklopft. Und wir können uns alles hier drinnen leisten, so ungerecht ist die Welt.
Weiter geht unsere Fahrt Richtung Süden. Als wir aus dem Moloch der Stadt heraus sind, essen wir am Meer unsere Luxussandwiches.
Dann folgt eine wunderbare Strecke, sozusagen der Highway One von Marokko.

Wir fahren wieder durch viel Landwirtschaftgebiet, manchmal ackern Familien, manchmal sieht es nach Grossproduktion aus und die Lastwagen werden bis ganz oben mit Blumenkohl beladen. Und auf der einen Seite brechen mit Getöse die Wellen des Atlantik.

Ich kaufe am Strassenrand frische Mandarinen, 12 Stück für 15 Rappen und Rita tauscht Wein und Hosen gegen Rüebli und Radiesli.
Voller Eindrücke kommen wir am Campingplatz in Safi an und geniessen die letzten Sonnenstrahlen.

Gehen wir auswärts essen oder kochen wir? Rita und ich wechseln einen Blick und wissen, die Köchinnen sind faul geworden….
So endet unser Tag auf Plastikstühlen, mit frittiertem Fisch und Brot.
Ursula Kern
21. Februar 2019 — 16:41
Immer wieder komme ich mir vor als sei ich dabei: die grösste Moschee, die blaue Stadt, die Madrassas etc. , nat¨rl. alles viel schöner als damals (ohne eure Bilder und Texte)
Voll Bewunderung sage ich «danke» und freue mich für euch.
Mama/o