Als ich am Morgen unseren Campingplatz bezahlen will und ins Minireceptionshüsli komme, staunen ich sehr. Der «Chef», welcher mich gestern noch anherrschte, weil ich nicht die orginal Pässe dabei hatte, kann nicht rechnen. Sein Büro besteht aus einem Taschenrechner und einem riesigen Buch, in das er alle Infos über die Kunden einträgt. Wie bei uns vor ganz langer Zeit…
Wir sind in Safi, der Töpferstadt. Darauf haben sich Rita und ich lange gefreut. Beim Einfahren durchs Stadttor erwischt Hannes die falsche Spur, es kommen uns nur Fahrzeuge entgegen. Aber da schimpft und flucht niemand, alle zeigen und winken, wo wir hinfahren sollten.
Kaum am Parkplatz ausgestiegen, kommt schon der erste Mann mit tonverschmierten Hosen und will uns seine Werkstatt zeigen. Und ehe wir uns verstehen, haben wir einen Führer zur Seite, der uns ins Töpferviertel geleitet.

Eindrücklich, wie hart gearbeitet wird. René erfährt von einem Töpfer, dass er seit 57 Jahren die Scheibe von Fuss antreibt und das in einem dunklen Gebäude.

Bei den Malern sieht es nicht besser aus, auch ihr Arbeitsplatz ist bedrückend.

Wir nehmen an, dass sie trotzdem froh sind, wenigstens eine Arbeit zu haben, sehen wir doch so oft Männer jeglichen Alters am Nichtstun.
Und dann stöbern wir durch die vielen Geschäfte, die Tonwaren anbieten. Es ist so eine unglaubliche Fülle, wir wissen gar nicht mehr, was kaufen. Nach einem The à la Menth sehen wir klarer und chrömlen beide drauflos.

Die Zeit ist unglaublich schnell vergangen, plötzlich ist es mitten im Nachmittag. So essen wir in der Stadt noch eine Tagine. Beim Abfahren werden wir nach Alkohol oder Kleidern zum Tauschen gegen Töpferwaren gefragt, aber dazu ist es jetzt leider zu spät.
Als wir aus Safi herausfahren, kommen wir an den riesigen Anlagen zur Verarbeitung und Verschiffung von Phospaten vorbei, ein trauriges Kapitel. Hier arbeiten die Menschen unter sehr schlechten Bedingungen und viele werden sehr krank davon. Die Schweiz gehört zu den Abnehmern von Phospat aus Safi für Düngung und Futtermittel.
Eine Piste führt uns an einen Strand, wo wir die Nacht verbringen werden.

Nicht ganz so schmutzig wie in Albanien, aber es liegt wie überall im Land viel Abfall herum. Als wir schon ein Feuer im Sand gemacht haben, merken wir, dass in unsere Nähe ein anders Feuer brennt. Vorher haben wir dort eine provisorische Hütte gesehen und dachten, sie sei leer. Ein Mann späht immer wieder in unsere Richtung. So nehmen wir ein Brot und ein paar Gebäckstücke und gehen salam sagen. Er freut sich sichtlich, lädt uns sofort zum Tee ein und teilt sein Brot mit uns. Leider können wir kein Wort mit ihm reden, aber seine Gastfreudschaft ist rührend und so wissen wir jetzt, wer unser Nachbar ist und müssen keine unguten Gefühle haben. Er ist Fischer und deshalb hier, das haben wir verstanden.