Heute ist der erste Tag, an dem wir richtig ins Schwitzen kommen und bis spät nachts im Tshirt draussen sitzen und das im Februar!
Im claro verkaufen wir drei Produkte mit marokkanischem Arganöl. Deshalb habe ich noch von zu Hause aus die Adresse der Cooperative herausgefunden und ihnen gestern ein Mail geschickt. Wir seien für einen Besuch herzlich willkommen. Also starten wir mit diesem Ziel. Die Fahrt geht durch die Hügel, wo unzählige Arganbäume wachsen.

Diese Bäume gibt es nur hier in Südmarokko. Sie vertragen Temperaturen bis 50 Grad und brauchen kein Wasser, Nebel und Tau genügen ihnen. Ziegen klettern auf die Bäume und fressen die Früchte.

Aus ihrem Kot kann man dann die Arganmandel herausholen und knacken. Dieses Prozedur lassen heute aber viele weg. In unzähligen Frauencooperativen werden die Früchte von Hand geknackt und es wird Öl für Kosmetik oder für die Küche hergestellt. Um die genauen Koordinaten von «meiner» Produktionsstädte zu erfahren, rufe ich ihnen an und werde enttäuscht. Sie arbeiten heute am Samstag nur bis 12h und dann erst wieder am Montag. So schade, ich hätte zu gerne gesehen, wo der Rohstoff meiner Bodylotion herkommt. Im Reiseführer ist noch eine andere Cooperative empfohlen und so fahren wir dorthin. Das Haus, indem wir sie vermuten, ist inzwischen eine Bäckereri, die mit den Schalen der Argannüsse ihren Ofen heizt. Die netten Bäcker lassen uns hinter die Kulissen schauen und wir kaufen natürlich frisches feines Brot für 10 Rappen pro Fladen.

Leicht frustriert hören wir auf zu suchen und gehen in einen Laden, um Arganöl zu kaufen. Es gibt einige Läden und man reist sich um die Kundschaft, zeigt auch die Produktionsräume und das Öffene der Früchte.

Als wir aus der kleinen Stadt fahren, sehen wir die gesuchte Cooperative, kehren aber nicht mehr um. Es hat nicht sollen sein.
Die Landschaft hat für mich weiterhin etwas biblisches, trocken, kahl, Schaf- und Ziegenherden und immer wieder Esel.
Mitten im Nichts taucht eine Polizeikonrolle auf. Wir werden gestoppt, kontrolliert und bekommen eine Busse für zu schnelles Fahren.
Waren wir tatsächlich etwas zu schnell unterwegs? Jetzt gilt die Devise, einfach zahlen und nicht diskutieren. Ein beklemmendes Gefühl, der Willkür der Beamten ausgeliefert zu sein. Aber tiefer in Afrika und in vielen anderen Ländern ist das ja noch viel viel mehr der Fall. Weil wir zwei Autos sind, die hintereinander fuhren, gibt es sogar noch Mengenrabatt!
In der nächsten kleinen Stadt kaufen wir Minibananen, die hier wachsen. Das hätte ich nicht erwartet.

Wieder am Meer, verabschieden wir uns von ihm, indem wir noch eine Weile den tosenden Wellen des Atlantiks zuschauen.

Wir nähern uns der Stadt Agadir. Die Gegend ist sehr reich und die Villen und Ferienwohnungskomplexe ummauert und bewacht. Die andere Seite ist der hippe Surferstrand. Trotzdem wird nicht empfohlen, hier wild zu übernachten, obwohl es am Meer sooo schöne Plätzchen hätte. So landen wir auf dem grässlichen Campingplatz von Agadir, wo gefühlte 100 riesige weisse Wohnmobile mit Leuten aus dem Norden an der Wärme überwintern. Für eine Nacht ist es auszuhalten.
Weil wir bald ins Landesinnere, in einsamere Gegenden fahren, gehen wir nochmals in einen Supermarkt einkaufen. Wir machen das zu Fuss, was ein Erlebnis ist. Wenn Hannes hier Buschauffeur lernen würde, wären das sein Fahrzeuge.

Wir kommen an Läden vorbei, die den totalen Luxus verkaufen. Der hippe Strand ist ganz nahe und es wird für Mc Donalds geworben. Den wollen wir sehen, wissen was es dort kostet und wer sich das leisten kann. Als essen wir dort Znacht, inmitten einer reichen Schicht, wo schon Kinder mit der Goldkreditkarte der Eltern bezahlen. Es kostet ungefähr einen Drittel so viel wie bei uns und schmeckt genau gleich.

Comments by Hannes Schneeberger