In der Früh stehe mit meinem Kaffee am Landy und merke, dass Marokko immer mehr zu einem Sehnsuchtsort wird für mich.
Als wir losfahren sagt Hannes zu mir, Marokko werde immer mehr zu einem Sehnsuchtsort für ihn. Welch beglückendes Gefühl, wenn die Sehnsüchte so ähnlich sind.
Wir treffen in Foum Zgoid ein und heute ist Markttag. Der bis jetzt eindrücklichste Markt erwartet uns. Da die Männer mit Technischem beschäfigt sind, ziehen Rita und ich alleine los. All die Farben, Gerüche und Schönheiten zu beschreiben fällt mir schwer, es ist orientalisch überwältigen und prall gefüllt mit Leben. Wir kaufen Gewürze bei einem sympathischen Mann, der wie ein dicker Pfeffersack mitten in seiner Auslage unter einem Zeltdach sitzt.

Wir kaufen Leckereien, bei einem fast zahnlosen Alten, der uns seine ganze schöne Auslage fotographieren lässt.

Wir kaufen eine Kette, bei einem Schmuckhändler, der uns auf die Perlen beissen lässt und sie anzündet, damit wir uns ihrer Echtheit bewusst sind. Immer schön, wenn einheimischen Frauen den gleichen Schmuck bestaunen, das führt zu herzigen Begegnungen.

Immer wieder schockierend, wie Hühner lebend verkauft und wie Ware behandelt werden und wie vor der Metzgerei der abgetrennt Kuhkopf liegt.
Im Café am Hauptplatz treffen wir unseren Guide. Hannes hat schon von zu Hause aus recherchiert und auf der Fahrt haben wir uns entschieden, eine geführte Tour in die Wüste zu machen. Ein grosser, junger Mann kommt auf uns zu und Mohamed ist uns von Anfang an sympathisch. Er hat einen Koch und einen Chauffeur für den gemieteten Landcruiser dabei. Auf gehts ins Wüstenabenteur!

Wir passieren den Kontrollposten, wo genau registriert wird, welche Fahrzeuge mit wievielen Personen wie lange in die Wüste fahren.
Das erste Drittel des Weges ist sehr steinig und holperig. Zum Glück fährt auch Hassan eher langsam. Unter einer grossen Arkazie halten wir und es wird Zmittag gekocht.

Für uns vier ist das gewohnheitsbedürftig, dass jetzt drei Personen für uns Tee und Zmittag kochen und wir auf einer Decke im Schatten chillen sollen. Liebevoll werden Rosinen und Mandeln angerichtet, ein Salat geschnetzelt und sogar Pouletspiessli gebraten. Der nächste Teil der Fahrt findet auf dem seit vielen Jahren ausgetrockneten Lake Iriqui statt. Weil die Oberfläche glatt ist, kann hier schnell gefahren werden und entsprechen stark staubt es.

Jetzt beginnt die Dünenlandschaft und das Fahren auf weichem Sand. Ich staune, wie schnell die Jungs vor uns unterwegs sind, sie scheinen sich über uns keine Sorgen zu machen. Das wäre auch nicht nötig, denn Hannes und René meistern die Strecke mit Bravour. Ich fühle mich fast immer wohl und auch das Schaukeln in den weichen Sandspuren jagt mir keine Angst mehr ein. Auch ich habe begriffen, dass man Gas geben muss und nicht bremsen, wenn es zu schlingern anfängt, weil man sonst stecken bleibt. Die Dünen werden immer grösser und immer spärlicher bewachsen, bis wir mitten in den grossen Sanddünen stehen. Hier gibt es auch mehrere Camps zum Übernachten. Dann stösst der Sprinter an seine Grenzen und steckt im tiefen Sand fest. Die ersten Hilfsversuche unsere Crew scheitern, es nützt auch nichts, als zwei Helfer mit einer Schaufel aus dem Camp kommen. Es wird entschieden, dass der Landy den Sprinter herausziehen soll.

Da Hannes schon eine Kurve weiter ist, sagen sie ihm, er solle über eine kleine Düne fahren, damit er dann richtig positioniert steht. Vor einem Jahr ist Hannes genau auf der Spitze einer solchen Düne stecken geblieben. Er weiss inzwischen, ganz oben, wenn man keinen Boden mehr sieht, nicht bremsen, sondern Gas geben. Alle schauen zu. Das Gasgeben fällt etwas heftig aus, der Landy springt über die Düne und alle halten den Atem an. Gerade nochmal gut gegangen! Jetzt kommt das Rettungsmaterial zum Einsatz, welches Hannes zu Hause so sorgfältig recherchiert hat und der Sprinter ist wieder frei.
Da es jetzt später ist als geplant, machen wir uns sofort auf, um noch den Sonnenuntergang zu sehen. Barfuss laufen wir über die Dünen, geniessen den warmen Sand, die herrliche Umgebung und die Stille der Wüste. Als wir im Dunkeln zurückkommen, Mohamed findet unsere Autos problemlos, sind Hassan und Ali schon daran, Decken auszubreiten, Laternen aufzustellen und Feuer zu machen. Es wird noch ein Sandbrot gebacken, indem die heisse Glut zur Seite geschoben wird und der Teigfladen wird auf den heissen Sand gelegt und auch damit bedeckt. Nach kurzer Zeit schon duftet es herrlich. Es haftet nur ganz wenig Sand am Brot, welcher gut abgeklopft werden kann. Diese Köstlichkeit bekommen wir zum Znacht zusammen mit Suppe und Tagine.
Wir haben es super gut getroffen mit unserem Guide. Mohames setzt sich während des Essens oft zu uns, erzählt von der Wüste, aber auch sehr persönlich von sich und seiner Familie. Auch können wir ihn einiges fragen, was wir schon lange über Land und Kultut wissen möchten.
Wir sind alle sehr glücklich, das wir uns für diese Tour entscheiden haben und so reich beschenkt werden.
Ursula Kern
2. März 2019 — 18:54
-Atemlos – nicht durch die Nacht, – sondern durch den Text, der diesen Tag beschreibt.
Man zittert fast beim Lesen und kann sich eure Begeisterung vorstellen.
Uschi