Der Tag gestern war so prall gefüllt, ich habe das Blogschreiben nicht mehr geschafft. Als die anderen drei heute vor Sonnenaufgang auf die Dünen klettern, hole ich das nach und schaue dann den Sonnenaufgang von meiner kleinen Düne aus an.

Ein einziger kleiner Vogel singt sein Lied dazu. Und dann ein biblisches Bild: Wie die heiligen drei Könige kommen unsere drei Freunde über die Dünen gelaufen, tragen je ein Silbertablett um unseren Zmorgen aufzutischen. Wobei tischen das ganz falsche Wort ist. Wir nehmen jede Mahlzeit am Boden auf einer Decke sitzend ein. Mir fällt das gar nicht so leicht, ich finde viele Positionen auf die Länge unbequem. Und der Zmorgen auf der Düne, so liebevoll hergerichtet, würde in jeden Wüstenprospekt passen.

Danach setzten wir unsere Wüstenfahrt fort. Weil ich das Gefühl habe, der Landy holpert und schaukelt fest, möchte ich im Vergleich dazu gerne etwas im Landcruiser mitfahren. So tauschen Mohamed und ich die Plätze. Hassan, unser Chaufeur, fährt gut und hat auch den passenden arabischen Sound im Auto. Natürlich schwankt er weniger, denn er hat ja auch nicht unser Gewicht auf dem Dach. Wir halten an einer heiligen Oase, wo Wasser mitten in der Wüste aus dem Boden sprudelt. Dort steht auch der erste Landy der die Wüste durchquert haben soll.

Hier holen auch viele Nomadenfamilien ihr Wasser. Kurz danach besuchen wir eine. Das ist jetzt halt das volle Touristenprogramm, aber es gibt einen authentischen Einblick in ein hartes Leben. Mohamed managet alles sehr sympathisch. Wir sitzten im Nomadenzelt, bekommen Tee, Brot und Ziegenfrischkäse.

Als wir die Küche anschauen, bin ich sehr betroffen, wie unglaublich einfach hier alles ist. Sie besteht nur aus einem Halbkreis aus dicken Ästen im Freien, gekocht wird am Boden, Dach gibt es keines.
Unser nächster kurzer Halt ist ein Brunnen in der Wüste, wo Nomadenfrauen waschen oder Wasser holen. Die versprochenen Kamele tauchen nicht auf, aber das macht uns nichts, wir haben auch so unglaubliche Eindrücke zu verarbeiten.
Nach einer doch recht anstrengenden Fahrt kommen wir in Mhamid an. Hier wohnt Mohamed mit seiner Familie. Er lädt uns zu sich ins Haus zum Essen ein. Die Wüste scheint hier einfach weiter zu gehen. Die Strassen ausserhalb der Hauptstrasse sind aus Sand und die Häuser aus Lehm. Mohamed wohnt hier mit seinen Eltern und all seinen noch unverheirateten Schwestern, sowie einer Schwester, die nach der Scheidung mit den Kindern wieder zurückkam, eine riesige Gemeinschaft. Weil Freitag ist, gibt es Coucous, wie bei fast allen Familien an diesem Tag. Vater und eine Schwester essen mit der rechten Hand, die anderen mit Löffeln, alle zusammen am Boden aus der grossen Couscousschüssel. Die Gastfreundschaft ist rührend und mit der Zeit kommen wir auch ins Gespräch mit den Frauen, die Englisch sprechen.
Erstaunlich, wie engagiert sie sind, eine unterrichtet beispielsweise in einem alten Schulzimmer 10 Frauen in Lesen und Schreiben.
Hannes und Mohamed haben während der langen Wüstenfahrt einen Deal vereinbart. Wir bezahlen für die ganze Tour nicht in Euros, sondern mit der Drohne von Hannes. Mohamed freut sich wie ein Kind, er möchte damit Aufnahmen für die Webseite seines jungen Unternehmens machen. Als wir draussen Probeflüge machen, kommen viele Leute zuschauen und eine Frau erschreckt richtig und weicht zurück, als das Ding abhebt.

Dann gibt es noch Kuchen, spezielles, blätterteigartiges Fladenbrot und Tee. Es wäre spannend, noch lange mit der Familie zu reden und ihrem Leben näher zu kommen. Aber wir sind alle von den vielen Eindrücken sehr sehr müde.
Nach einer sehr herzlichen Verabschiedung steuern wir den nächsten Campingplatz an, befreien unsere Autos und uns selber von einer dicken Staubschicht und widmen uns den Fotos, Blogs und Reiseführern.

Antonia Somm
4. März 2019 — 18:42
So berührend wie du schreibst liebe Moni. Habe immer wieder das Gefühl ganz mitgenommen zu werden und geniesse diese Einblicke und deine frische, direkte Art wie du erzählst. Ich fühle förmlich mit wie es sich anfühlt diese Gastfreundschaft zu erfahren und den Sonnenaufgang über den Dünen, dass muss ein tiefes, fast mystisches Erlebnis sein!
Seid alle geherzt und kommt wieder gut Heim!
Liebi Grüess
Antonia