Wir verlassen Mhamid, das Tor zur Sahara. Die Landschaft ändert sich natürlich nur langsam. Es ist weiterhin sehr sehr trocken. Auch wir sind sehr trocken, unsere Hände, Lippen und Nasen. Wenn in der Natur aber irgendwo Wasse auftaucht, ist es plötzlich saftig grün.

Grün ist auch die typische Farbe der Töpfereien, die wir in Tamegrout sehen. Eigentlich war das ein heiliger Ort, der heute noch mit seiner Stille wirbt. Kacheln und Ziegel für Moscheen dürfen nur hier hergestellt werden.

Wir erleben ihn aber sehr anders. Das erste mal in Marokko fühlen wir uns sehr bedrängt. Es beginnt mit dem Parkwächtern, geht zu den Führern, die man sofort zur Seite hat und weiter zu den Verkäufern der Töpfereien. Ich bin überhaupt nicht darauf vorbereitet, denn bis jetzt haben wir das zum Glück selten erlebt. Es nimmt mir meine Freude auf ein zweites Töpferdorf und ich finde es schwierig, freundlich zu bleiben.
Dann erstehen wir doch noch in Ruhe schöne Töpfereien, handeln gut und bezahlen auch in Schoggi.

Beim Kaffee ändern wir nochmals unsere Route für die letzte Woche und ich finde es immer wieder schön, wie gut und unkompliziert das mit Grebers geht.
Den Zmittag haben wir heute irgendwie vergessen und da kommt es gelegen, dass ich in Zagora einen herzigen Patisserieladen entdecke. Rita und ich kaufen viele unbekannte Leckereien ein. Dann dürfen wir noch einen faszinierenden Blick hinter die Kulissen werfen, wo fünf Frauen in Handarbeit alles herstellen.
Weiter gehts durch das bekannt Draatal. Obwohl es in allen Reiseführern so gelobt wird, können wir ihm nicht so viel abgewinnen.
An die Lehmbauten und die Kashbas haben wir uns schon gewöhnt. Bei einem herzigen Jungen kaufen wir Gemüse und hoffen, dass dies nicht sein einziger Job ist, sondern er auch zur Schule geht.

Wir haben erfahren, dass die einen Kinder morgens gehen und die anderen am Nachmittag, nichts mit Blockzeiten, aber wohl Schulraum und Lehrer sparend.
Wir suchen früh einen Schlafplatz und wählen den gleichen, den Manu vor einem Jahr gefunden hat und Hannes in der Karte einzeichnete.
Als wir beim Znacht sitzen, kommt ein junger Mann aus der Nachbarschaft vorbei. Wir dachten bei diesem Platz, er sei einsam, aber in Marokko tauchen immer irgendwo Menschen auf. Er begrüsst uns mit Handschlag, wie üblich. Wir bieten ihm etwas zu trinken an und er setzt sich zu uns. Wir plauder, erfahren auch einiges, weil er Französisch spricht. Aber er geht einfach nicht mehr. Auch während ich das schreibe, sitzt er noch mit am Tisch. Das ich mich auch hier bedrängt fühle, wäre übertrieben, aber es ist doch ein komisches Gefühl. Wir waschen Geschirr ab, Hannes repariert den Kocher, ich nehme Wäsche ab, Rita liest, er ist immer noch da. Ab und zu reden wir etwas, dann schweigen wir zusammen. Ja, es ist wahr, Europäer haben Uhren und Afrikaner Zeit.
Comments by Hannes Schneeberger