Wir sind schon am Aufbrechen, da kommt unser ami von gestern Abend nochmals vorbei, was uns nicht wirklich erstaunt. Er begrüsst uns und geht dann einfach in die Hocke und wartet. Wir haben vorgängig schon untereinander abgemacht, dass wir noch zu ihm gehen und ihm Gemüse abkaufen. René wartet mit dem Sprinter an der Strasse und der Landy holpert zum Haus, auf einer Aussenseite hält sich Rita an ihm fest, auf der anderen unser ami.
Wir werden schon erwartet, vom Vater, von der Mutter, von zwei Schwestern und einem Bruder, sowie dem kochenden Kaffee. Eigentlich wussten wir ja, dass das nichts werden würde, mit schnell mal Gemüse kaufen…

Wir werden ins einfache, einzimmrige Steinhaus gebeten, setzten uns auf Teppiche an den tiefen Plastiktisch und sofort werden uns Kaffee, Tee, Brot, Blätterteiggebäck und Datteln serviert. Da wir direkt vom Frühstück kommen, greifen wir nur zögerlich zu. Auch das dies nicht geht, haben wir gewusst. So essen und trinken wir alle tapfer. Nur als auch noch Fleisch aufgetischt wird, müssen Rita und ich passen und sagen, wir seien Vegetarierinnen. Inzwischen hat die Mama schon ein dickes Fleischbrot für Hannes belegt. Alles schmeckt sehr gut und die Datteln sind die Besten, die ich je hatte, klein, rund, weiche Haut, zuckersüss.
Eine Schwester kann recht gut Englisch und so erfahren wir einiges über die Familie. Hier wohnen 6 Erwachsene zusammen, auswärtige Arbeit hat nur der Bruder. Sie haben sich in der kargen Landschaft eine grüne Oase geschaffen, indem sie selber einen 80m tiefen Brunnen gegraben haben und mit einer Dieselpumpe jetzt zu Wasser kommen.

Ums Haus herum wachsen Getreide, Gemüse, bald Datteln und sogar Henna.

Die Mutter fragt mit Zeichensprache, ob wir nicht Arbeit für sie bei uns hätten und der Bruder schlägt vor, dass wir ihn im Auto mit nach Frankreich nehmen. Als Hannes ihm vom «Menschenscanner» bei der Ausreise erzählt, meint er, der werde bei Touristen nicht eingeschaltet. Wir sind berührt von der Gastfreundschaft, der Armut und der Selbstversorgersituation und so bezahlen wir unser Gemüse sehr sehr grosszügig und Rita findet in ihrem Auto auch noch Augentropfen für die Mutter. Diese Begenung war spannend, schön, aber auch intensiv und anstrengend.
Wir rollen weiter durch die Landschaft mit Lehmbauten und Oasen, weil wir den Ksar Tamnougalte aus dem 17. Jahrhundert besuchen wollen. Ein Ksar ist eine Art befestigtes Dorf. Darin gab es einige Kasbas, Herrschaftshäuser, und hier wohnten 4 Ethnien in Frieden zusammen: Muslime, Berber, Juden und Harati. Hier hielt 1995 die letzte Karawane von Timbuktu nach Essaouira, handelte und wechselte von Dromedaren auf Maultiere.
Als wir eintreffen, kommt sofort ein Mann auf uns zu und will uns führen. Wir lassen uns darauf ein und es lohnt sich. Aber wir brauchen zuerst einen Tee um uns vom Morgen zu erholen und alles zu verarbeiten. Welch Zufall, der «Cousin des Führers» hat ein Café auf der Dachterasse.



Nach einer spannenden Führung durch die alten schönen, aber zum Teil auch sehr verfallenen Gemäuer und nachdem wir wieder ganz vielen Kindern zu verstehn geben haben, dass wir weder Bonbon noch Stylo für sie haben, gehts weiter.
Das war der zweite sehr intensive Anlass heute und so wollen wir uns in der nächsten Stadt in einem Café erholen. Aber daraus wird nichts. Kaum sind wir ausgestiegen, kommt ein Mann auf René zu und bittet ihn, ihm auf Deutsch eine Gratulation für seine Schweizer Bekannte zu schreiben, der er viel verdankt. Kaum sitzten wir in einem kleinen Raum, «zufällig» kann man dort auch Schmuck kaufen, gibt es Tee. René schreibt und wir überlegen, ob diese Geschichte wohl war ist.

Wahrscheinlich eher nicht, aber macht auch nichts. Ich erstehe eine Kette, welche in aufwändigem Prozedere gekürzt wird und wir beide ein speziell herziges Gefäss für Tusch oder Kajal.
Wieder viel reden in Französich und Englisch, wir kommen alle total geschafft aus dem Geschäft. Nach einem Nossnoss auf dem Hauptplatz und ein paar Einkäufen fahren wir weiter und sind dankbar für die Ruhe und die eher öde Landschaft.
Wir schlafen an einem «Park4night» Platz an einem Stausee und können es nicht fassen, als ein fliegender Händler auftaucht. Aber es kippt ins Lustige, wir schauen seine Sachen höflich an, geben ihm ein Fanta und ein paar Guetzli und er schenkt uns so viel Safran, dass ich sicher bin, dass dieser nicht echt ist.
Comments by Hannes Schneeberger