Reiseblog und Fotos

Marokko 2019

aufatmen

Wir hatten eine schlechte Nacht, konnten oft nicht schlafen. Wenigstens beide, Hannes und ich, gleichzeitig. So haben wir nachts immer wieder über den intensiven vergangenen Tag geredet. Wir sind uns jetzt sicher, dass uns gestern Märchen aufgetischt wurden. Trotzdem wollen wir von nun an nicht allen Marokkanern misstrauen, sondern weiterhin offen sein, wachsam und bestrebt, einen fairen Preis zu bezahlen. Faire Preise, hier und zuhause, waren und sind für mich ein wichtiger Bestandteil bei der Lösung vieler Probleme. Was ich in diesen Ferien erlebt habe, bestätigt mich immer wieder darin.
Heute lassen wir es langsam angehen, gestern will verdaut werden. Wir frühstücken gemütlich in den ersten wärmenden Sonnenstrahlen und planen unsere letzten Tage.
Es erstaunt uns, welch schöne Strecke uns heute erwartet. Weil wir nicht mehr an der Hauptstrasse sind, fahren wir so weiter und kommen dabei auf Holperpisten durch wunderbare Natur und immer wieder kleine Dörfer.


Ein Mann macht Autostopp, aber leider haben wir keinen Sitz mehr frei. So fährt er stehend, aussen am Landy, ins nächste Dorf mit.

Dort werden wir Zeuge eines spannenden Ereignisses. Der Gaswagen kommt, wie bei uns früher der Migroswagen. Die Leute stehen schon an der Strasse bereit mit ihren leeren Glasflaschen und bekommen vollen Ersatz.
Wir fahren durch so abgelegene Dörfer und ich fühle mich manchmal wie die Wochensensation. Erfrischend ist, wie viele Menschen uns froh zuwinken. Gerne würde ich einmal in einer Kinderschar anhalten. Aber das verschiebe ich auf die nächste Marokkoreise und überlege bis dann, was Sinn macht, mitzunehmen.
Die steinige Landschaft verwöhnt uns in ihrer ganzen Farbenpracht, das geht von schwarz über rot und lila zu rosa.
Taliouline ist unser Ziel, von hier kommt sehr viel Safran. Eine quirlige Stadt begrüsst uns und wir essen zuerst in einem Restaurant Zmittag und geniessen all die bunten Eindrücke.

Immer noch sind übervolle Lastwagen, speziell gekleidete Menschen und Eseltaxi ein Hingucker für uns.

Hier könnten wir noch ewig sitzen und Afrika aufsaugen.
Doch jetzt gehts zur Safrancooperative. In einem kleinen Museum sehen wir einen Film und dann erklärt uns die Mitarbeiterin den Unterschied zwischen reinem und gepanschtem Safran. Wir erfahren von ihr auch den Stundenlohn von Landwirtschaftsangestellten: 7 Fr./Tag. Frauen, die Safran pflücken, lassen sich gerne auch in Safran bezahlen, den sie dann selber verkaufen können.

Wir geniessen den entschleunigten Tag und dass wir nach gestern wieder aufatmen können.
Dazu gehört für uns Frauen jetzt auch noch ein Hammambesuch.

Obwohl wir wissen, wie es läuft, helfen, bzw. bedienen uns die Einheimischen, die schon da sind, ganz herzlich. Sie holen Wasser für uns, putzen unseren Sitzplatz und fragen immer wieder, ob alles ok sei. Wir sind sehr berührt, auch mit wieviel Herz sie sich von uns verabschieden. Ich verstehe immer mehr, wie wichtig dieser Ort für marokkanische Frauen ist und finde es so schön, wie sie uns darin aufnehmen.

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