Heute überqueren wir den Atlas. Wir haben uns für die weniger touristische Route, den Tizn Test entschieden.
Und, wen wunderts, Hannes findet zur Hauptstrasse über den Pass eine Alternativroute. Grebers möchten diese nicht fahren und so trennen wir uns nach einem Nossnoss. Wir sind jetzt in der fruchtbaren Souss Ebene, passieren Orangenplantagen, von denen wir gelesen haben, dass sie wegen EU Abkommen nicht mehr nach Europa exportieren dürfen. Schade, denn so bleiben die süssesten Orangen und Mandarinli alle in Marokko.
Unser Weg führt uns einem Flusstal entlang langsam in die Höhe.

Hier wächst auch auf 1500m noch Getreide und die Feigenbäume öffnen gerade ihre Knospen. Wir passieren immer wieder Berberdörfer, wo uns die Bevölkerung zuwinkt. Die Strasse wird enger, holpriger, die Dörfer kleiner. Ganz selten mal macht jemand mit den Händen die Geldgeste. Die Meisten scheinen sich einfach über eine kurze Abwechslung zu freuen, wenn der Landy vorbeifährt. Die Landschaft ist wunderschön, fruchtbar und vor allem der Blick zurück auf die Dörfer ist berauschend. Uns fällt erst im Nachhinein auf, dass wir auf der ganzen Strecke kein anderes Auto gesehen haben und wir denken, dass hier schlicht niemand eines hat. Wie sie wohl den weiten Weg ins Tal kommen? Vermutlich zu Fuss oder mit dem Esel.

Ob unser Weg wirklich durchgängig ist, wissen wir lange nicht. Als wir alle Häuser hinter uns gelassen haben, bleibt die Strasse aber gleich, führt uns weiter in die Höhe und mündet dann in die offizielle Passtrasse. Das war unser persönlicher Tizn Test und ich bin so froh, dass wir ihn gefahren sind und auch stolz auf Fahrer und Fahrzeug.
Bei einer speziellen Steinsformation, wo vermutlich einige Touristen anhalten, verkaufen zwei Männer, was die Umgebung hergibt, Kräuter und Nüsse. Finde ich unterstützungswürdig, besser als nur im Café herum sitzen und so kaufe ich Mandeln und wir bekommen…., genau, Tee.

Auf 2100m überqueren wir den Pass und sind plötzlich wie in einer anderen Klimazone. Es gibt Nadelbäume, die bekannten Atlaszedern.
Auch die Gesteinsfarben sind anders, zum Teil fast dunkelrot, was mit grün und braun zusammen tolle Bilder ergibt. Wir kurven in Haarnadeln den Pass hinunter und treffen Grebers in Tin Mal. Hier steht die berühmte Lehmmosche aus den 12. Jahrhundert. Da sie keine Dach mehr hat und nicht mehr als Moschee verwendet wird, dürfen auch Ungläubige sie besuchen. Wir sind fast alleine und ein sympathischer junger Guide führt uns herum.


Ein Prachtsbau und sehr gut erhalten für sein hohes Alter.
In einem süssen Café erzählen wir einander unsere Tageserlebnisse.

Während Hannes und René die Moschee noch von oben fotographieren gehen, setzen sich Rita und ich auf den Dorfplatz und beobachten das Leben in diesem kleinen Dorf. Es ist so schön, an der warmen Sonne zu sein und zu sehen, wie Esel, beladen mit Holz, vorbeiziehen, Kinder alte Menschen mit Handkuss begrüssen und Frauen ihre Schafe spazieren führen.

Da wir unseren Übernachtsungsplatz noch nicht genau kennen, müssen wir weiter. Als wir ein Dorf mit einer lebendigen Hauptstrasse passieren, würden Rita und ich zu gern dort noch eine Runde drehen. So fährt Hannes mit dem Landy zur Suche eines Nachtlagers voraus und René wartet darauf, dass wir Frauen zurückkommen. Wir schlendern die Strasse einmal hinauf und hinunter, sehen die dampfenden Tagines, die Jungs, die bei einem alten Mann Suppe essen und einen vollen Krämerladen.

Dort kaufen wir eine Orangenpresse, die uns der Verkäufer mit einer Leiter unter der Decke hervorkramt.

Solche Strassen voller Leben werde ich vermissen.
Hannes hat gut rekognosziert und wir fahren neben der Strasse einen Holperweg hinunter, durch einen Fluss und sind an einem schönen Platz auf einer Sandbank. Bis wir gekocht haben, ist es schon recht dunkel und der Wind blässt immer wieder Sand in unser Essen. So wird es ein kurzer Abend und jeder verkriecht sich in sein Lieblingsteil.
Comments by Hannes Schneeberger