Heute Touristenprogamm in Marrakesch: Saadiergräber und Bahia Palast, beides mit unglaublich prunkvollen Zedernholzschnitzereien, Keramik und Stuckarbeiten, 1001 Nacht pur.



Die Gräber erwischen wir vor dem grossen Touristenstrom, den Palast teilen wir mit hunderten anderen, aber er ist gross genug. Dazwischen gönnen wir uns ein auswärtiges Frühstück, das köstlich schmeckt und alle Brotsorten enthällt, die wir auch schon entdeckt haben.
Das alte Judenquartier, die Mella ist nahe. Dort gibt es viele Gewürzhändler, die oft auch Drogisten sind und wir erstehen spannende Heilmittel. Treiben lassen durch die Gassen ist das, was wir am liebesten machen. Touristen hat es keine anderen mehr und unverhofft landen wir wieder in einem Metallverarbeitungsquartier. Hier hämmert und schweisst man u.a.für die Lampen, die uns das orientalische Gefühl vermitteln.

Was wir hier sehen, lässt mich nur erschaudern. Trotz untouristischem Ambiente, haben wir natürlich subito einen Guide zur Seite. Er zeigt uns die «Werkstätten» und auf meine Fragen hin erzählt er freimütig, die Kinder, die auch hier arbeiten, gingen nie zur Schule, ihre Eltern wollen, dass sie Kunsthandwerker werden. Mit Säure wird ohne grossen Schutz gearbeitet und ich denke, sie wird nachher in der Gosse entsorgt.

Ich stehe unter Schock. Was wir hier sehen, ist die Spitze eines unendlichen Eisberges und ich bin nicht so naiv zu glauben, dass es mit den anderen Souveniers, die wir kauften, gross anders ist. Aber all das zu sehen verursacht mir körperlichen und seelischen Schmerz. Gerade wird wieder eine Ladung Lampen von einem alten Mann in einem der offenen Lastwägeli abgeholt…..

Übermorgen stehen ich wieder im claro und weiss einmal mehr, warum ich diese fair Trade Sachen verkaufe und möge damit der Tropfen auf den heissen Stein auch noch so winzig sein.
Nachdem wir uns im Auto ein bisschen erholt haben und für morgen alles gerichtet ist, ziehen wir wieder los. Im nördlichen Teil der Medina gibt es ein Fotomuseum mit Bildern aus Marokko vor 1956. Der Weg führt wieder durch die engen Gassen, in denen wir wenigen Eselskarren und ganz vielen rasant fahrenden und laut hupenden Mopeds ausweichen müssen. Ich mag die Stimmung sehr und fühle mich wohl.
Das Museum ist ein ruhiger Ort mit schönen alten Aufnahmen. Danach wollen wir noch den modernen Teil von Marrakesch, d.h. eher einen Bruchteil davon anschauen. Kaum sind wir aus der Medina hinaus, ändern sich vieles. Es hat sehr viel Verkehr und je weiter wir laufen, ändert sich auch die Bevölkerung. Wir sind in einem Trendquartier, voller Läden, die unseren gleichen und von Fast Food Ketten begleitet werden. Trotzdem kann man auf der Strasse noch Orangensaft und frische Kokosnuss oder einzelne Zigaretten kaufen. Spannend zu sehen, wie nahe diese zwei Welten beisammen liegen. Rita lädt uns zum Znacht in ein chickes Lokal ein und danach bummeln wir wieder zurück.
Wir trinken auf dem Hauptplatz noch einen letzten The à la Menth und beobachten das Treiben dabei von oben. Dann noch einen letzten Kreis um den Platz, zwischen Hennafrauen und Trommelschlägern hindurch.
Unser Marrakesch war vielfältig, bunt fröhlich, aber auch dunkel und traurig.
Comments by Hannes Schneeberger