Nach einem Kaffee und frisch gepresstem Manderinlisaft bei Grebers starten wir Richtung Flughafen. Diesmal gestaltet sich die Anfahrt einfach, es gibt eine Aussteigezone ohne Höhenbeschränkung.

René und ich machen uns danach auf Richtung Beni Mellal, Khenifra, Fes, Taza um den Mittelmeerhafen Nador zu erreichen. Dazu haben wir 1.5 Tage Zeit. Wir fahren durch eine immer wieder wechselnde Landschaft und bewundern, wie schon oft, die Beladungskünste der Marokkaner.

Weiter kann ich die folgenden Vorkommnisse hervorheben.
Sicherheitslinien werden von Marokkanern und Touristen ständig überfahren, sonst würde es bei den z.T. sehr langsamen Fahrzeugen (Eselkarren, Dreiradtranporter, altersschwache Lastwagen), die auf der Strasse verkehren, immer wieder lange Staus geben. Ich hätte es nur nicht machen sollen, wenn gerade eine Polizeikontrolle zuschaut: minus 400 Dirham.
Einen wilden Uebernachtungsplatz bei Dunkelheit zu suchen, ist schwierig und nicht zu empfehlen, da dann die Umgebung nicht beurteilt werden kann. In der Nähe von Taza listet aber weder der Womo-Führer noch die App «park4night» einen Platz auf. Wir fahren darum von der Strasse ab in einen Feldweg. Bei einer Ausweichstelle parken wir die Autos. Unserer Beurteilung nach stehen wir hier niemandem im Weg und es ist auch sicher, da kaum Durchgangsverkehr vohanden ist. Um 22:30, nachdem wir eben schön eingeschlafen sind, klopft es an die Türe. Draussen stehen drei Männer in Zivil. Einer weisst sich als Militärpolizist aus (ist der Ausweis echt?). Jedenfalls fotografiert er Pass und Auto und gibt uns zu verstehen (er spricht kaum französisch), es sein kein Problem, wenn wir da stehen, er müsse es aber seinem Chef melden. Eine Stunden später, nach dem wir wieder eingeschlafen sind, klopft es nochmals und jemand ruft «mon ami». Nochmals ist es der Militärpolizist. Wir müssen ca 50m umparkieren und auf den Hof eines befreundeten Bauern fahren, dort sei eine Videokamera installiert und darum sei der Platz sicherer.

Ich frage mich, ob der Unterschied wirlich so gross ist. Jedenfalls glaube ich, dass der «ami» ehrlich um unsere Sicherheit bemüht ist. Er sagt, er sei um 7 Uhr wieder da, wenn wir abfahren wollen. Das Treffen am morgen kommt dann aber nicht zu Stande. Wir lassen ihm zwei Snackpackungen und einen Gruss zurück.
Die Abläufe bei Polizei und Zoll auf dem Fährhafen sind für Gelegenheitsbenutzer nicht wirklich selbsterklärend. Wir werden zuerst an den Schalter der Reederei für die Bestätigung der Fährreservation geschickt. Auf dem Hafengelände folgt dann, die Polizeikontrolle und der Zoll, wobei diese beiden für mich nicht immer zu unterschieden sind. Jedenfalls werden in einem Schalterhäuschen die Daten vom Dokument für die temporäre Einfuhr des Fahrzeugs, welches seit diesem Jahr mit QR-Code versehen ist, manuell in ein grosses Buch eingetragen und das Dokument abgestempelt. Dann wird bei einem andern Schalterhäuschen dieser Stempel anscheinend nur kontrolliert. Weiter gehts dann ins Hafengebäude zum Zoll, wo das Ausreisedatum in den Pass gestempelt wird. Das ganze Prozedere bis dann die Fähre abfährt dauert für uns ca 8h. Andere Fahrer von Kleintranportern scheinen das zu wissen und optimieren die Wartezeit. Sie kommen deutlich nach der geplanten Abfahrt im Hafen an und kommen auch noch auf das Schiff.
Das Belanden der Fähre gleicht dem Tetrisspiel, Länge und Höhe bestimmen den Standort des Fahrzeuges auf der Fähre. Die Höhe des Landys wird mit einer grossen Winkellehre gemessen und ich werde auf das niedrige PW-Deck geschickt. Beim Einfahren habe ich ein mulmiges Gefühl, da es schon sehr eng ist. Und prompt knallt es plötzlich und ich hänge oben an einer Befestigung für eine Röhre fest. Zum Glück war ich sehr langsam unterwegs und unser Dach ist stabil. Zwei Mitarbeiter der Fähre stehen hinten auf den Landy und drücken ihn so genügend nach unten, dass ich mich rückwärts aus der Falle befreien kann. Das tönt jetzt einfach, aber hinter mir stehen ein Auto nach dem andern … Am Ende bekommen ich einen Platz in einer Ecke zugeteilt und ich werde angewiesen, beim Entladen zu warten, bis alle andern Fahrzeuge hinausgefahren sind und dann in der Gegenrichtung ebenfalls die Fähre zu verlassen. Das wird ja dauern!

Gegen 19 Uhr verlässt die Fähre Nador.

35 Stunden später kommen wir nach einem Zwischenhalt in Barcelona am Dienstag Mittag in Sète (Südfrankreich) an. Sofort machen wir uns auf den Weg Richtung Schweiz. Es läuft alles sehr gut und wir können die 750km ohne zusätzliche Uebernachtung zurücklegen. Um 22.30 Uhr komme ich in Wollishofen an.
Comments by Hannes Schneeberger