Stockheim – Saalfeld, 63 km
Es regnet. Wir lassen uns die Stimmung nicht verderben, ziehen alle Regenkleider an und radeln los.

Wir wissen, dass wir heute viel aufwärts pedalen müssen und weil ja bekanntlich vieles im Kopf stattfindet, sind wir mit der entsprechenden Einstellung bald auf dem höchsten Punkt angelangt. Ein bisschen säuerlich, dass die Autos jeweils die flacheren Strecken fahren können und die Velos hoch und runter geschickt werden.

Ein Kaffee im Shop der Tanke wärmt uns auf und lässt Regenkleider abtropfen.
Dann dürfen wir es lange lange zwischen waldigen Hügeln runterrollen lassen. Zwei Wegweiser lassen uns anhalten. Zuerst taucht aus dem Nichts eine Pralinenmanufaktur auf, wir naschen kurz und folgen dann dem Wegweiser zur Villa Falkenburg.
Wir schauen uns um, lesen die Infotafel, dass genau hier die Grenze 1989 das erste Stück geöffnet wurde.

Ich bin beeinruckt von dieser Info. Ein älteres Paar hat Interesse am Pino und wir kommen ins Gespräch.

Ich frage sie, ob sie mehr zur Villa wissen. Das war der Anfang zu ganz viel spannender Info, inkl. Hausführung. Sie sind seit 2004 die Besitzer der Villa, in der damals ein Teilabschnitt der neuen Grenze von Ost- und Westdeutschland ausgehandelt und auf einem Bierdeckel in der damaligen Wirtsstube festgehalten wurden, heute bekannt als Bierdeckelvertrag. Weil wir sehr interessiert sind und viele Fragen stellen, bieten sie uns eine Hausführung an. Das Ehepaar Lenk hat die baufällige Villa gekauft und ein Bijou daraus gemacht. Wir waren noch nie in einem Haus, wo im Wohnzimmer der Rolls Roys renoviert wird, der Range Rover auf der Veranda parkt und die Dame des Hauses auf dem Voguetitelbild an der Wand hängt.


Sie erzählen uns so viel Spannendes über ihr Leben, von der Zeit, als sie die Weltmeere bereisten oder mit einem alten Landy nach Persien fuhren.
Staunend verabschieden wir uns und müssen die vielen Infos und Bild erst mal verdauen. Das geht gut beim Velofahren. Doch schon taucht das nächste Highlight auf, das Haus der Volkes.

Ein riesiges Bauhaushotel, das auch während DDR Zeiten genutzt wurde. Es ist nach der Wende renoviert worden und besticht durch Licht und Luftigkeit. Wir geraten in eine Führung, hören gespannt zu, sind aber von der vorigen Begegnung noch ganz voll.

Ich habe das Gefühl, grad nicht mehr Infos und Geschichten aufnehmen zu können.

Der Regen hat aufgehört und wir sind froh, wieder Energie ins Weiterfahren stecken zu können. Es geht nach wie vor immer wieder hoch und runter. Am Abend werden wir 800 Höhenmeter geleistet haben.
In der Stadt Saalfeld beziehen wir eine Pension, gehen indisch essen und hören in eine Mottete hinein.
So ein wunderbarer, ereignisreicher, spezieller Tag! Und heute Morgen habe ich mich noch allen Ernstes gefragt, was ich heute Abend über einen verregneten Velotag schreiben soll.
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