Leipzig – Leipzig, 18 km
Heute gehts per Rad in die Stadt. Es ist Sonntagmorgen, erst wenige Menschen und Autos sind unterwegs. Im Nu sind wir beim höchsten Gebäude der Innenstadt, dem mdr-Turm und fahren mit dem Lift auf die Aussichtsplattform ganz nach oben.

Der Blick über Leipzig zeigt uns nochmals, wie grün, flach und überschaubar es ist. Weil erst so wenig Touristen unterwegs sind, kehren wir nochmal an ein paar Orte der gestrigen Stadtführung zurück und können jetzt in Ruhe auch noch Fausts rechten Fuss berühren und so Glück bekommen.

Unser zweites Ziel ist das Museum «Zeitgeschtliches Forum». Hier wird die Geschichte Leipzigs vom Kriegsende bis zur Wiedervereinigung thematisiert. Mit einer Führung tauchen wir tief ins Thema ein. Es macht uns sehr betroffen, sehr nachdenklich.

Beim einem kleinen Zmittag tauschen wir uns aus und kehren dann nochmals in die Ausstellung zurück. Das ist so junge Geschichte und hat so viel mit meiner Familie zu tun. Fluchten werden thematisiert, Lebensmittelpakete aus dem Westen für den Osten, und vieles mehr, was ich aus Erzählungen kenne.
Wir sind auch am Ort, wo die Montagsdemonstrationen begannen, wo die friedliche Revolution ihren Anfang nahm. Ich fühle mich erschöpft und dünnhäutig. Was heisst das jetzt alles für uns? Bei Kaffee und Kuchen verarbeiten wir das Gesehen und Gehörte.

Es passt dann gut, dass wir noch die Leibnitzstrasse 11 aufsuchen, wo meine Grossmutter mit meiner Mutter und Tante wohnte.

Per Velo fahren wir anschliessend noch durch andere spannende Quartiere Leipzigs.

Und einige sind wirklich anders. Plötzlich sitzen nur noch Männer auf der Strasse und es riecht nach gebratenen Fleischspiessen.
Am Abend spazieren wir auf einen speziellen Hügel. Er besteht aus den Kriegstrümmern, die per Eisenbahn aus der Innenstadt gefahren wurden.

Heute sieht man natürlich nichts davon, er sieht aus, wie ein bewaldeter Hügel, ein kleines Naherholungsgebiet. Wenn ich beginne nachzudenken, werden die Schritte schwerer….
Mit feinen Ramen verabschieden wir uns von der Karli, der Karl-Liebknecht-Strasse, die wir gerne bekommen haben.

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