Lyon – Bagdad Café, 78 km

Den Morgen verbringen wir in trauter Zweisamkeit mit dem Wetterradar. Es regnet. Wir sitzen beim Frühstück oder im Hotelzimmer und warten, bis es aufhört. Wie angekündigt, stoppt der Regen um 12h und wir verlassen Lyon, das uns so gut gefallen hat. Leider ist der Weg hinaus kein Vergleich mit dem schönen Weg hinein. Wir fahren immer auf Autostrassen, das strengt sehr an. Der Himmel hinter uns sieht bedrohlich dunkel aus und der Wind blässt uns entgegen.Es fühlt sich an, als müssten wir der Strasse jeden Meter abtrotzen. Endlich hat es wieder Velowege, allerdings nur als Umleitung und das heisst schlechter Untergrund, viele Steine, viel Sumpf und Gefälle, das wir nicht zu zweit bewältigen können.Es hilft unserer Stimmung auch nicht, dass die Autos daneben im Stau stehen. Es hilft unserer Stimmung aber sehr, als unverhofft Kaffee und Kuchen auftauchen!

Dann verläuft der Weg wieder direkt an der Rhône. Diese sieht aus, wie wenn sie wütend vor sich hin fliessen würde, mit all den Schaumkronen und den hohen Wellen. Wir pedalen zwischen Gemüse- und Weinanbaugebieten und durch Naturschutzzonen.Ohne Wind wäre es perfekt. Dafür scheint jetzt sogar die Sonne!
In einem orginellen Lokal machen wir Pause, trinken Tee neben den Einheimischen, die schon beim Wein sind. Hannes schaut sich nochmals die Route an und merkt, dass er sich um 20km verrechnet hat. Wir glaubten, 10km vor dem Ziel zu sein, jetzt sind es plötzlich noch 30km, die bewältigt werden müssen. Wir nehmen es mit Humor, wir haben schon anderes geschafft. Diese letzt Strecke fährt sich verhältnismässig leicht. Wir geniessen die Abendstimmung und sind dann doch sehr froh, als wir ankommen.Wir sind bei einem Ibishotel, irgendwo zwischen zwei Dörfern. Es fühlt sich an wie das Bagdad Café im Film «Out of Rosenheim».
Alles ist schitter, inklusive Restaurant daneben. Wir aber freuen uns, dass wir es trotz schwierigen Verhältnissen und verlängerter Strecke bis hierher geschafft haben.