Der Ausblick vom Frühstückstisch ist für mich filmreif. Ich sehe auf einen kleinen, verträumten Platz in der Provence. Ein grosser Baum, hübsche, kleine Häuser und die Stühle eines Strassencafés, es regnet. Aus den Lautsprechern tönen traurige, französiche Chansons. Ich warte förmlich darauf, dass eine Schauspielerin mit grossem Regenschirm und traurigem Herzen das Set betritt.
Keine Zeit zu träumen, denn der Regen stoppt unverhofft. Wir machen uns auf, das römische Theater zu besuchen. Schon gestern auf dem Abendspaziergang hat mich die riesige Aussenwand in ihren Bann gezogen. Sie steht mitten in der heutigen Stadt, ist 100 Meter lang und über 30 Meter hoch!
Ich besorge Tickets für das volle Programm. Wir starten mit einer virtuellen Show über die Entstehung dieses 2000 jährigen Theaters. Dann betreten wir es, mir stockt der Atem, ob dieser Grösse. Es fehlen mir die Worte, es würdig genug zu beschreiben. Geblieben ist mir, dass fast 10000 Menschen, also die ganze damalige Bevölkerung, Platz fanden, dass es jeden zweiten Tag eine Vorstellung gab, die von allen Menschen unentgeltlich besucht werden durfte und dass sie getrennt nach gesellschaftlichem Rang gesessen sind.
Und mir ist geblieben, was Hannes als erstes sagt: Die Zeit dieses Theaters ist so weit weg, wir wissen so vieles noch nicht darüber und produzieren heute Atommüll, der ein x faches dieser Zeitspanne strahlen wird.
Der Audioguide füttert uns mit sehr guten Infos und ich stelle fest, dass mich die Geschichte der Römer so viel mehr packt als damals in der Schule.
Schlendern durch die Altstadt ist immer gut, lässt die vielen Eindrücke verarbeiten.
Heute ist der erste Mai, alles geschlossen. Nur die Blumenläden sind offen, man schenkt sich heute Maiglöckchen. So schön!
Wir planen noch, wie die Reise weiter gehen soll. Ich bin noch müde von gestern, habe schlecht geschlafen und so sind mir alle Entscheidungen zu viel. So wie wir reisen, gibt es ständig soviel zu entscheiden. Was essen, wo essen, wo schlafen, was besichtigen, was auslassen, wie weit radeln, und und und. Obwohl wir uns gut einigen können, heute entscheide ich gar nichts mehr.
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