Aigues-Mortes – Pont du Garde, 86.5 km
Ich liebe die Annehmlichkeiten von Hotels und ich liebe die Einfachheit vom Campen. Und am meisten liebe ich den Wechsel. Heute Morgen bin ich so zufrieden mit meinen wenigen Sachen und unserer simplen Behausung, die im Nu zusammengerollt und in einer Velotasche verstaut ist.
Wir kochen noch einen Kaffee vor dem Laden des Campingplatzes und fühlen uns wie im Disneyland.
Unser Weg führt dem Canal du Rhône à Sète entlang. Wir besteigen einen alten Zollturm und haben nochmals einen wunderbaren Blick auf die Camargue, dieses Wasserland, gespickt mit Flamingos.
Wir rollen weiter und sind beide glücklich. Alles stimmt, die Umgebung, der Körper, das Wetter, die Stimmung und der liebste Mensch ganz nahe. An diese Momente möchte ich mich immer erinnern können, sie auch später abrufen können. Kann man Glück konservieren? Mit Fotos, Blogs, Souveniers oder in einer Schatztruhe im Herzen?
Der zunehmende Wind lässt mich nicht länger philosophieren. Einsatz und Ausdauer sind jetzt gefragt. Wir haben den Kanal inzwischen verlassen müssen und fahren durch Landwirtschaftsland. Die Böen blasen uns manchmal fast in den Strassengraben. Es ist sehr anstrengend und will nicht aufhören. Wir machen immer wieder Pausen.
Nach dem Zmittag in einem Hafen sind wir wieder am Kanal, eingebettet in Hecken und so spüren wir den Wind zum Glück nicht mehr so stark. Wir staunen beide, wie schnell die Anstrengungen vom Morgen vergessen sind und freuen uns, dass wir Seerosen entdecken. Immer im Hier und Jetzt sein!
Wie ein Kunstwerk empfinden wir eine ganz einfarbige Zementfabrik am Wegesrand.
Dann schliesst sich der Kreis, wir sind wieder in Beaucaire, wo wir auf dem Hinweg schon einmal waren.
Bei Kaffee und Erdbeertörli feiern wir den überstandenen Wind, nichts ahnend, dass wir diese Energie nochmals dafür einsetzen müssen.
Auf dem voie verte geht die Fahrt weiter. Das sind Velowege, die auf alten Bahntrasses gebaut wurden. Sehr bequem geht es fast nur geradeaus und einmal sogar durch einen Tunnel.
Die letzte Stunde nehmen wir es nochmals mit dem Wind auf und sind dann froh, dass der Camping noch einen Platz für uns hat. Früh essen wir Pasta zum Znacht und brechen dann nochmals zu Fuss zum Pont du Garde auf.
Dieses Äquadukt wurde 50 vor Christus gebaut und führte 500 Jahre lang Wasser nach Nîmes.
In einer schönen Abendstimmung treffen wir ein, es hat nur wenige Leute. Natürlich will Hannes herausfinden, wo der beste Fotospot ist. So krachseln wir rund herum in die Höhe.
Am besten gefällt es mir zu sehen, wo das Wasser ganz oben floss und wieder in den Berg verschwand.
Nach dem Sonnenuntergang sitzen wir lange am Fluss unten. Ich kann mich nicht satt sehen, die Ästhetik, das Alter, die Funktionalität. Schauen, geniessen, glücklich sein.
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