Namur – Leuven, 58 km
Heute ist am Morgen nicht so unser Tag. Warum wissen wir nicht, wenigstens bei beiden gleichzeitig. So pedalen wir los, Velo fahren hilft sicher, wieder bessere Laune zu bekommen. Der Einkauf im Intermarché am Stadtrand tut es nicht, zu viele traurige Gestalten. Unsere Route führt uns über ehemalige Bahngleise, d.h., bis am Mittag geht es praktisch nur geradeaus.

Oft sind wir wie eingekuschelt in einem grünen Tunnel.
Zu meiner grossen Freude entdecken wir ein ganz neues Yoga-Laden-Café. Hier ist vegan so selbstverständlich, der Cappuchino kommt ungefragt mit Hafermilch. Endlich eine Oase!
Irgendwann müssen wir den schönen geraden Weg verlassen und kreuzen durch Felder und Dörfer.

Sehr mühsam zu fahren ist es auf den alten Pflastersteinstrassen. Ich habe jetzt zwar eine neue Radgabel, die mich top abfedert. Leider hat sie andere Nachteile. Sobald wir ca 25 km/h fahren, beginnt eine ganz unangenehme Eigenschwingung und wir müssen sofort abbremsen. Ärgerlich, wenn man grad so schön Schuss hat und auch die Angst davor ist unangenehm.
Die Einfahrt in die Stadt Leuven ist toll. Zuerst durch Quartiere mit breiten Velostrassen und viel Leben darum herum, fast wie auf einer Werbung. Dann erinnert uns die Einfahrt an Kopenhagen. So viele Velos, gut getrennt von den Fussgängern und nach einer imposanten, spiralförmigen Abfahrt von der Gleisüberführung stehen wir auf dem belebten Hauptplatz vor dem Bahnhof und unserem Hotel.

Wieder einmal haben wir ein Zimmer im obersten Stock ohne Lift und schleppen alles, inkl Campingausrüstung, die engen Treppen hoch.
Bald schon sind wir wieder unten und lassen uns durch die Stadt treiben. Sie ist voller Velos, voller Menschen, voller fröhlichem Leben.

Einen grosse Enttäuschung erwartet uns, als wir zum bekannten, wunderschönen, gotischen Rathaus, dem Wahrzeichen von Leuven , kommen. Es ist komplett eingeschalt.

Dieser Bau war auch ein Grund, warum ich hierher wollte. Aber natürlich hat die Stadt noch viel mehr zu bieten. Auf dem Oudemarkt, umgeben von wunderbaren Häusern und inmitten vieler Menschen, trinken wir ein Bier und sind fasziniert vom prallen Leben.

Dann brauchen wir wieder etwas Ruhigeres und spazieren aus dem Zentrum heraus zu den Beginenhöfen. Hier haben vom Mittelalter bis ins 20 Jhd alleinstehende und verwitwete Frauen als religiöse Gemeinschaft zusammengelebt.

Heute sind die Häuser Weltkulturerbe, von der Uni restauriert und bewohnt. Es fühlt sich an wie eine Mischung aus Museum und Leben, wunderbar friedlich, etwas unpersönlich.

Zwei Strassen vom pulsierenden Zentrum entfernt, finden wir ein Restaurant, dass uns sehr entspricht, das Weltcafé. Bio, fair, regional, Treffpunkt, geführt von Freiwilligen. Hannes bestellt Spaghetti bolo, bekommt zum 2. mal am Tag ungefragt die Vollkornvegivariante und ist total happy damit.
Auf dem Heimweg würde er gerne noch ein Nachtfoto der Unibiblothek machen, aber davor gibts grad eine riesige Chilbi.

Unsere schlechte Laune müssen wir irgendwo früh am Tag verloren haben, jedenfalls sind wir glücklich über die vielen schönen Momente und Begegnungen heute.
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