Amstelhoek – Almere, 48 km

Gestern Abend war es ab 20h kalt und schon recht dunkel. Also sind wir in unsere Schlafsäcke gekrochen und erstaunlicherweise beide sehr schnell eingeschlafen.
Es ist schon schön, wenn ich aus dem Zelt direkt einen Schilfgürtel sehe, trotzdem fragen wir uns, wie oft wir auf dieser und auf zukünftigen Reisen noch zelten werden. Heute Morgen ist alles nass, das gemähte Gras klebt überall und der Bauerhofcamping sie recht herunter gekommen aus. Werde wir alt?
Das Velofahren versöhnt mich wieder mit der Welt. Ich liebe es so, auf der Reise zu sehen, wie andere Menschen wohnen. Zuerst sind wir noch im Landwirtschaftsgebiet und hier halten auch alle Nichtbauern Tiere. Die unzähligen Wassergräben sind wie Zäune für Schafe, Schweine, Alpakas und anderes Getier.

Weiter gehts zu unendlich grossen Siedlungen mit kleinen, zweistöckigen Reihenhäusern. Am Horizont sehen wir die Skyline von Amsterdam, vielleicht zählt das hier schon zu den Vororten.
Ganz unerwartet durchfahren wir noch ein Bilderbuchstädtli. Es ist Markt, es lebt und fühlt sich wohlig an. Ganz viele Menchen kaufen Schnittblumen, die etwa einen Viertel von unseren Sträussen kosten.

In diesem Treiben trinken wir Kaffee und essen Apfelkuchen, nachdem wr schon recht süchtig sind.

Dann sind wir wieder am Meer und sehen über eine Bucht unser Ziel, Almere.

Nach einer langen Brücke und vielen Kilometern durch die Natur, sind wir im Centrum angekommen.

Diese riesige Stadt wurde vor 50 Jahren auf trocken gelegtem Land gebaut, also dem Wasser abgetrotzt.
Alles hier ist jünger wie wir. Das autofreie Stadtzentrum, das mich so angezogen hat, fühlt sich am Anfang an, wie ein riesiges Shoppingcenter ohne Dach. Auch im Touristenbüro werden wir enttäuscht, es gibt keine Führungen mehr, zu wenig Nachfrage und die Ladies dort können uns nicht wirklich helfen. Wir erwerben aber zwei gute Broschüren und erlesen uns einiges. Das Zentrum besteht aus mehreren Ebenen. Auf der untersten bewegt sich der Verkehr, hier sind Parkplätze und Ladezonen. Auf der mittleren Ebene sind Geschäfte und Restaurants und darüber wird gewohnt, z.T. sogar mit Garten.
Wir machen einen Architekturspaziergang, der auch aus dem kleinen autofreien Zentrum führt und kommen an tollen Gebäuden berühmter Architekten vorbei.

Auch Guyer Architekten aus Zürich haben hier gebaut. Am eindrücklichsten fanden wir «la defense», das bunteste Gebäude in Almere. Zur Strassenseite hin nur graues Alu, in den Innenhöfen refektiert das Tageslicht auf speziellen Folien und je nach Blickwinkel entsteht ein wunderschönes Farbenspiel.

Wir sind froh, sind wir hier her gefahren, es gibt wirklich viel zu entdecken.